Ein zweiter Text vom Weinschreiber beleuchtete das Problem ebenfalls von einer anderen Seite:
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Konsum im 21. Jahrhundert (aus Bargatzky’s Weinblogg vom 05.02.2006)
Wir leben im Jahr 2006. Die ganze Welt ist von Discountern erobert.
Die ganze Welt?
Nein! Denn eine kleine Schar von Konsumenten gibt die Hoffnung nicht auf, dass die mediale Öffentlichkeit noch viel intensiver über die Missstände in Fragen der Lebensmittelqualität berichtet. Über Missstände, die vor allem bei den Discountern aufgedeckt werden. Doch diese Schar ist klein. Und scheint gegen Windmühlen kämpfen zu müssen. Aber es gibt ein passendes Sprichwort: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Doch um welchen Kampf geht es denn überhaupt?
Die Menschen des 21. Jahrhunderts sind zu Konsumenten erzogen worden, die ganzjährig, Tag für Tag, genau das verlangen, was vor gar nicht allzu langer Zeit noch das Besondere war. Der Sonntagsbraten bekam einst seinen Namen, weil der Sonntag der kulinarisch besondere Tag der Woche war. Heute ist der Sonntagsbraten mit dem Montagsbraten, dem Dienstagsbraten, dem Mittwochbraten, dem Donnerstagsbraten, dem Freitagsbraten und dem Samstagsbraten gleichzusetzen. Ebenso verhält es sich mit vielen weiteren Lebensmitteln, deren saisonales Vorhandensein mittlerweile durch den Einsatz künstlicher Mittel, von Gewächshäusern oder durch Genmanipulation aufgeweicht worden ist. Natürlich gibt es nun ganzjährig Erdbeeren, Tomaten, Orangen und Äpfel. Der Konsument verlangt es so, der Konsument bekommt es so. Aber bitte nicht wundern, dass die Tomate nicht mehr nach Tomate schmeckt. Das wäre dann ja doch etwas viel verlangt!
Denken Sie mal darüber nach: Früher gab es einen Braten pro Woche, heute sind es sieben. Sie meinen, das sei übertrieben? In jedem Döner, jedem Hamburger, jedem Gyros steckt Fleisch in Unmengen. Das gilt es auch zu berücksichtigen!
Also gehen wir mal davon aus, dass die Bevölkerung seit den Zeiten des bewussten Konsums, also des real existierenden Sonntagsbratens, um 20% zugenommen hat. Gehen wir gleichzeitig mal davon aus, dass sich der Fleischverbrauch pro Kopf versechsfacht hat. Ich will ja nicht übertreiben, vielleicht gibt es ja wirklich einen fleischfreien Tag pro Kopf und Woche. Dann müssen die das deutsche Volk versorgenden Bauern mittlerweile das 7,2-fache an Fleisch produzieren, als noch vor wenigen Jahren.
Und jetzt die entscheidende Frage: Wie soll das klappen?
Wir können getrost das Bild glücklicher Tiere vergessen, die friedlich weidend frohe Tage auf der Alm verbringen. Das klappt so nicht. So viele Alpen gibt es gar nicht, als dass dort genügend Vieh gehalten werden könnte. Die Lösung heißt Massentierhaltung. Und ordentlich Antibiotika. Eine Spritze am Tag macht kräftig, saftig, schneller fertig.
Ups! Beinahe vergessen! Antibiotika wirkt bei übermäßiger Einnahme nicht mehr, wenn es mal wirklich wirken soll. Und wenn wir „geschöntes“ Fleisch essen, nehmen wir zwangsläufig diesen Wirkstoff zu uns. Ein Teufelskreis, meine Damen und Herren!
Was hat das jetzt alles mit Wein zu tun? Schließlich heißt dieses Blog ja Bargatzky’s Weinblogg. Der Zusammenhang liegt näher, als der eine oder andere Leser vermuten mag.
Wein wird mittlerweile auch zunehmend von den Discountern angeboten. Der größte Teil der in Deutschland gekauften Weine findet seine Abnehmer bei Aldi, Lidl, Plus und co. Bei den Ladenketten, die tausendfach in Deutschland vorhanden sind. Und die alle mit Wein beliefert werden wollen.
Und da fängt es an, weh zu tun. Denn die Anbaufläche in Deutschland ist beispielsweise nicht im gleichen Maße gewachsen, wie der Weinabsatz. Wo früher noch Wert auf Qualität gesetzt wurde, muss heute zwangsläufig Quantität erwirtschaftet werden. Beides zusammen geht nicht. Will ein Winzer Qualität, muss er die Kraft der Rebe auf möglichst wenige Trauben verteilen. Das wird in der Regel durch den so genannten Rebschnitt erreicht, also durch die Reduktion, das Wegschneiden eines großen Teils der am Rebstock hängenden Trauben. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass weniger von diesem Wein produziert wird.
Aber das interessiert den Großabnehmer nicht. Er braucht möglichst viele Flaschen ein und des selben Weins. Schließlich will der Konsument an jedem Tag in der Woche in allen Ladengeschäften des Discounters die Möglichkeit haben, den Wein in ausreichender Menge vorzufinden.
Die Frage beantwortet sich fast von selbst: Kann ein nach solchen Maßstäben erzeugter Wein qualitativ hochwertig sein?
Doch zurück zum Ausgangspunkt dieses Essays. Es ist ein Kampf. Ein Kampf dafür, die Konsumenten wieder an den Gedanken der Qualität zu erinnern. Sie daran zu erinnern, dass es nicht nur den Discounter gibt. Sondern darüber hinaus auch noch den Fachhändler. Und die Wahrscheinlichkeit, Qualitätsprodukte beim kleinen Einzelhändler zu finden, ist ungleich höher, als einige Medien es uns weismachen wollen. Geben wir Konsumenten den Menschen eine Chance, die sich für Qualität einsetzen. Kaufen wir lieber weniger, dafür besser ein. Schauen wir beim Fachhändler, ob er Vergleichbares nicht auch anbietet.
Denn stellen Sie sich vor, es gäbe den Einzelhändler nicht mehr. Wer sollte dann mit seinem Namen für die Qualität seiner Produkte eintreten? Wer sollte persönlich auf das Wohl einer Kunden bedacht sein? Wer soll denn einen ausgefallenen Wunsch erfüllen?
Die Discounter ringen seit geraumer Zeit um Marktanteile. Diese erobern sie nur dann, wenn sie billiger sind, als die Konkurrenz. Gespart wird dann an der Qualität der Produkte. Denn anders kann das System gar nicht funktionieren. Denn ein Discounter ist kein Sozialamt. Oder warum sind die Aldi-Gründer die reichsten Deutschen geworden?
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Ob die Zahlen jetzt absolut korrekt sind, spielt keine Rolle. Deutlich wird jedoch, dass es das Konsumverhalten von heute nicht mehr zulässt, gewünschte Produkte in ausreichender Masse qualitativ hochwertig anzubieten. Das ist Fakt. Leider.
CU
Das Unwort der letzten Tage zieht immer größere Kreise: Gammelfleisch. Überall in Deutschen Landen finden Kontrolleure vergammeltes Fleisch, stinkenden Fisch und verfaultes Gemüse. Und ganz Deutschland schreit auf. Da fällt mir nur noch eines zu ein: Scheinheilig. Und gleich erinnere ich mich an vergangene Diskussionen über den Wert der Ware, über deutsches Einkaufsverhalten. Und an eine Hommage an den Fachhandel, welche ich am 28.12.2005, also vor fast einem dreiviertel Jahr verfasst habe. Aber lesen Sie selbst:
Eine Hommage an den Fachhandel (aus Bargatzky’s Weinblogg vom 28.12.2005)
Wie oft gerät man im Leben in Situationen, bei denen man nicht mehr weiter weiß und auf die Hilfe von Menschen angewiesen ist, die etwas vom entsprechenden Metier verstehen? Selbst die Werbung weist uns regelmäßig darauf hin, dass man jemand fragen sollte, der etwas davon versteht. Doch warum muss überhaupt dafür geworben werden?
Die Antwort liegt auf der Hand: Geiz ist geil. Geil vor allem für den deutschen Konsumenten. Geil, weil dann mehr Geld für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens übrig bleibt. Wie für die wöchentliche aufwändige Reinigung des heiß geliebten Autos. Oder für die Anschaffung der neuesten Wohnzimmertechnik. Oder für noch ein Accessoire, noch eine DVD, noch eine Mediamarkt-Saturn-Discounter-Anschaffung.
Gespart wird dann natürlich an den unwichtigen Dingen des Lebens. Ganz vorne auf der Streichliste sind Lebens- und Genussmittel. Warum auch auf das Fleisch verzichten, wenn man es beim Discounter geradezu hinterher geworfen bekommt? Und der Fleischskandal findet sowieso überall statt – aber doch nicht bei dem Discounter meines Vertrauens! Genauso verhält es sich mit dem Obst, dem Gemüse oder dem Fisch. Belastet? Wer oder was wird denn hier belastet? Mein Portemonnaie jedenfalls nicht. Schadstoffe? Schmecke ich nicht. Gibt’s also nicht.
Billig will ich! Sonst zählt nix! Warum auch – wie vor einigen Jahren noch üblich – nur ab und zu mal Fleisch auf den Tisch? Wo es doch jetzt täglich möglich ist! Woher das ganze Fleisch kommt, kann doch egal sein. Strom kommt schließlich auch aus der Steckdose.
Es lebe der Discounter! Nieder mit dem Fachhandel! Wozu brauchen wir den Menschen, den man fragen könnte, wisse man nicht mehr weiter? Das ist doch alles Humbug! Der Fachhandel will doch nur mehr Geld für gleiche Leistungen! Das sind die Abzocker! Da lobe ich mir doch meinen Discounter! Großhandelspreise! Das ist, was zählt! Geld! Geld! Geld! Ich will sparen! Nur nicht in der Quantität!
Ja, woran denn dann?
Was bleibt, ist die Qualität. Nur das wird gerne ignoriert. Getreu dem Motto der drei Affen – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – verhalten wir uns auch beim Konsum. Ökologisch saubere Lebensmittel? Sind zu teuer! Und wie soll ich denn die tägliche Fleischration bezahlen, hole ich sie beim Metzger und nicht bei Aldi, Lidl, Plus und Co.?
Tja, und jetzt fangen sie auch noch an, dem Fachhandel in die letzten Nischen rein zu hauen. Aldi verkauft Handytarife, Plus verkauft Häuser, Tchibo fast alles und Rossmann nun Grand Crus aus dem Bordeaux. Tja, lieber Fachhändler, wozu brauche ich Dich eigentlich noch? Was kannst Du, was die Discounter nicht können?
Beraten, unterstützen, Emotionen wecken. Und in die Geheimnisse der Produktwelt einweihen. Sich individuell auf Wünsche und Nöte des Kunden einlassen, Unmögliches möglich zu machen, Energie in die Erfüllung eines eigenen Lebenstraumes stecken.
Lieber Fachhändler, keine Sorge! Ich werde weiterhin versuchen, bei meinen Anschaffungen stets bei Dir vorbeizuschauen, um Dein Dasein zu sichern! Denn ich bin der Meinung, dass die Welt ärmer wäre ohne Dich! Mir würde etwas fehlen, wenn ich nur noch in den Angeboten der Discounter stöbern könnte. Mir würde das persönliche Gespräch fehlen, die Möglichkeit, das Produkt vor Kauf kennen zu lernen, den Wein zu verkosten, einen Probehappen von der Pastete zu kosten oder meine individuellen Wünsche zu äußern.
Ich gebe zu, ich habe keinen Goldesel im Keller, der mich zu einem reichen Menschen macht. Hätte ich ihn, würde ich alles beim Fachhändler kaufen. Daher sage ich mir: Lieber weniger, dafür besser. Ich muss nicht täglich drei Gänge zum Mittag haben, opulente Vesper oder den besonderen Tropfen. Aber wenn ich das möchte, dann richtig.
Ich bin mir auch bewusst, dass es viele Menschen gibt, die sich ein kostspieliges Leben überhaupt nicht leisten können. Ich verurteile die Discounter ja auch nicht in Gänze. Ich bin auch Konsument von Plus. So what! Aber ich weiß, wo ich die Beratung für die besonderen Genüsse des Lebens finde. Die ich mir auch nicht täglich leisten kann. Das Besondere soll ja auch das Besondere bleiben.
Der Genuss ist für mich ein ganzheitliches Phänomen. Er fängt beim Einkauf der Produkte an, geht über die Vorbereitungsphase bis hin zum Gaumenschmaus. Ich möchte bewusst erleben und die Sinne anregen. Auf dem Wochenmarkt die saisonalen Angebote prüfen, beim Metzger beraten werden, den richtigen Wein beim Weinhändler erstehen. Und das Gefühl haben, was Gutes gekauft zu haben.
Ach so! Muss ich noch meine Meinung zu den Menschen kundtun, die sich beim Fachhändler beraten lassen, um dann ihr Geld zum Discounter zu tragen? Dass sie sich das Wissen von den Leuten holen, die sich emotional mit ihrem Angebot identifizieren, derweil es dem durchschnittlichen Teilzeitverkäufer im Großhandel ziemlich schnuppe ist, ob mein Geld zu ihm oder irgendwohin wandert? Immerhin können so noch mal 3% gespart werden! Gute Beratung ist doch im Grunde eh nichts wert. Die bekomme ich auch aus den Fachzeitschriften, den Magazinen oder Tageszeitungen. Denn journalistisch sind die Discounterangebote bereits sehr gut erschlossen.
Aktueller denn je. Leider.
CU
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Die Bodegas Valdemar ist ein alt eingesessener Familienbetrieb. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1889. Der heutige Besitzer, Jesus Martinez Bujanda, leitet das Weingut gemeinsam mit seinen Kindern Ana und Carlos. Und dies auch sehr erfolgreich, wie der aktuelle Wein der Woche beweist.
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