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Das Weinparlament

26. Oktober 2006

Chaotische Zeiten

Autor: | Zeit: 08:34 Uhr | Rubrik: Der alltägliche Wahnsinn

Der Weinschreiber dümpelt derzeit etwas vor sich hin. Nicht, weil es nichts zu berichten gäbe. Vielmehr liegt es daran, dass ein Umzug für Telekommunikationsunternehmen immer noch eine besondere Herausforderung zu sein scheint. Und ohne privaten Netzzugang kann einfach nicht effektiv an der Seite gearbeitet werden.
Sechs Wochen (!) würde die Umstellung dauern. So zumindest die Ankündigung von Arcor, Weinschreibers Provider. Auf die Frage, ob denn Leitungen quer durch das Ruhrgebiet neu verlegt werden müssten, reagierte man nur mit Achselzucken. Nun gut. Auch diese Phase sollte zu überstehen sein.
Gestern also war der angekündigte Termin, an dem ein Mitarbeiter der Telekom (Arcor mietet die Leitung bei dem Magenta-Riesen bekanntlich an) vor Ort die Leitung freischalten sollte. Es sollte sichergestellt werden, dass ein Zugang zu den betroffenen Räumlichkeiten zwischen 8 und 16 Uhr möglich sei. Erneute Terminabsprachen seien nämlich kostenpflichtig. Aber auch das wurde - trotz einiger Umstände - vom Weinschreiber organisiert.
Und dann tat sich - nichts. Kein Telekom-Experte ließ sich blicken. Kein Anruf auf dem Mobiltelefon, dass sich der Termin verschieben würde. Wohl aber bei Rückfrage durch den Weinschreiber die Antwort, dass bereits ein neuer Termin mit der Telekom ausgemacht worden und im System hinterlegt sei. Auf die Idee, den Kunden darüber zu informieren, kommen weder die Telekom, noch Arcor.
Und außerdem kostete der Anruf - wie sollte es auch anders sein - 24 Ct. pro Minute. Alleine die Navigation durch die unendlichen Navigationen (bitte drücken Sie die 1 oder die 2 oder die 3…) kostete wahrscheinlich ein kleines Vermögen. Aber das wird vom Weinschreiber in Rechnung gestellt. Und auch die Kosten für die vergebliche Bereitstellung eines Zugangs zu den Räumlichkeiten. Denn Weinschreibers Zeit kostet auch!
Als Kunde kann der Weinschreiber nur das Zwischenfazit ziehen, dass weder bei der Telekom, noch bei Arcor Wert auf Kundenzufriedenheit gelegt wird. Vielleicht sollte man sich doch verstärkt den kleinen Providern zuwenden, die noch die Motivation besitzen, ihre Kunden zufrieden zu stellen.
Denn mit dieser Art des Customer Management ist es kein Wunder, dass beispielsweise die Telekom monatlich laut Insider-Info ca. 100.000 Kunden verliert. Und auch der Weinschreiber kann nach den bisherigen Erfahrungen mit den angesprochenen Providern leider keine Empfehlung für Arcor oder die Telekom aussprechen.
CU

18. Oktober 2006

Gobelsburg - Ehmoser - Hiedler

Autor: | Zeit: 12:13 Uhr | Rubrik: Wein

Österreich stand mal wieder auf der Verkostungsliste. Hier die ersten Eindrücke des Weinschreibers zum Jahrgang 2005:

Schloss Gobelsburg
Das Weingut Schloss Gobelsburg liegt im österreichischen Kamptal. Erstmalig 1074 urkundlich erwähnt, ist es der wohl älteste Weinbaubetrieb der Region. Doch Tradition ist bei Schloss Gobelsburg nicht alles. Auch in aktuellen Verkostungen verstehen es die Betriebsleiter Eva & Michael Moosbrugger doch glänzend, Jahr für Jahr hervorragende Weine auf die Flasche zu ziehen. Viele nationale und internationale Prämierungen zeugen von der hohen Qualität der Gobelsburgischen Kreszenzen.

Schloss Gobelsburg: „Grüner Veltliner Lössterrassen 2005“
In der Nase grün wirkend, grasig, frisch anmutend. Am Gaumen mit knackiger Säure, viel Zitrusaromen, Grapefruit, Limette. Glasklarer Wein mit passablem Finish. 79 Ingo-Punkte.

Schloss Gobelsburg: „Grüner Veltliner Allerheiligenstiftung 2005“
Duft nach nassem Laub, feuchter Erde, strohig, würzig, rau. Am Gaumen feine Säurestruktur, knackig-mineralisch, mit Biss und guter Frucht. Ein schöner, stoffiger Wein mit passabler Länge. 81 Ingo-Punkte.

Schloss Gobelsburg: „Grüner Veltliner Gobelsburger Steinsetz 2005“
In der Nase Orange, feingliedrige Säure, kräftige Struktur. Sehr schön vollmundig wirkend, mit dem typischen Pfefferl, dicht, Aromen von Birne, sehr schön saftig wirkend mit gutem Finish. 83 Ingo-Punkte.

Schloss Gobelsburg: „Grüner Veltliner Kammerner Renner 2005“
Aromen feiner Kräuter, Orange, leicht pfeffrig wirkend. Ein eleganter Wein mit toller Würze, viel Saft. Leicht toastig wirkend, buttrig, druckvoll, mit schöner Länge. 86 Ingo-Punkte.

Schloss Gobelsburg: „Grüner Veltliner Kammerner Grub2005“
In der Nase eine fast süße Würzigkeit, erinnert an Schokolade, mit tollem Druck und Opulenz. Ein Kraftpaket mit toller Mineralik, feingliedriger Säure und herrlichem Pfefferl. Ein Charakterwein mit langem Finish! 90 Ingo-Punkte.

Schloss Gobelsburg: „Grüner Veltliner Kammerner Lamm 2005“
Sehr würzige Nase, opulenter Kräutergarten, dann Asche, Vanille. Sehr aromatisch, dicht, Aromen von Quitte, exotische Würze, kraftvoll, elegant am Gaumen, lang. Toll! 90 Ingo-Punkte.

Schloss Gobelsburg: „Riesling Tradition 2004“
„Schmeckbares Terroir“. Schiefer, Heu, Zweige. Sehr trocken-mineralisch, gleichzeitig opulent, strahlig. Ein Wein, der alles vereint. Knackige Säure, mit Biss, noch jugendliche Zitrusnoten bis in den bissig-jugendlichen Abgang hinein. 86++ Ingo-Punkte.

Josef Ehmoser
Der junge sympathische Winzer Josef Ehmoser gehört zu den besten Erzeugern der österreichischen Weinbauregion Wagram im schönen Donauland. In der Gemeinde Tiefenthal-Großweikersdorf beheimatet, schafft es Ehmoser Jahr für Jahr, mich vor allem mit seinem hervorragenden Grünen Veltliner Aurum erneut zu begeistern. Aber auch seine anderen Weine sind immer wieder eine genaue Begutachtung wert.

Ehmoser: „Grüner Veltliner Hohenberg 2005“
Ein recht stoffiger Auftakt, verhaltene Frucht, feinwürzig, mit Noten frischen Laubes. Am Gaumen von mittlerer Struktur, strohig, saftig, mit knackiger Säure und mittlerer Länge. 80+ Ingo-Punkte.

Ehmoser: „Grüner Veltliner Aurum 2005“
In der Nase süße Frucht, Banane, Vanille, exotische würze inbegriffen. Dan auch Kaffee, Orange. Einfach ein toller Stoff mit feingliedriger Säure, einer tollen Mineralik und wunderbarem Pfefferl. Ein stoffiger, kraftvoller Wein mit einem langen, würzigen Finale. 91 Ingo-Punkte.

Hiedler
Das Weingut Hiedler gehört seit vielen Jahren zur absoluten Spitze des Langenloiser Weinbaus. Der Betrieb besitzt Weingärten in sämtlichen wichtigen Rieden des Kamptals. Die Vinifikation findet streng nach Rebsorten und Lagen getrennt statt. Auch die temperaturkontrollierte Gärung der Weine ist ein selbstverständlicher Teil der Kellerarbeit Hiedlers.

Hiedler: „Grüner Veltliner Thal Novemberlese 2005“
In der Nase frisch wirkend, würzig, unverkennbare Typizität. Kräuter, dezentes Pfefferl, jedoch eher verhaltene Frucht und würziges Finale. 82 Ingo-Punkte.

Hiedler: „Grüner Veltliner Maximum 2005“
In der Nase recht verhaltene Zitrusnote, dann Schiefer. Feinwürzig, süße Kräuteraromen, Birnenkompott, Stachelbeere. Ein eleganter Wein, fast cremig in seiner Struktur, mit einer schönen Länge. 85 Ingo-Punkte.

Hiedler: „Riesling Heiligenstein 2005“
Klarer, reiner Duft nach gelbem Steinobst, sehr schöne Kräuterwürze und dezente Anklänge von minziger Zitrusfrucht, reifer Mango. Elegante Struktur, feingliedrige Säure und dezente Frucht. Im Abgang würzig-dicht mit guter Länge. 86+ Ingo-Punkte.

CU

17. Oktober 2006

Eine Granate im Glas - und keine Reserve

Autor: | Zeit: 15:15 Uhr | Rubrik: Wein

Gestern gab es etwas richtig Leckeres im Glas! Nicht irgendeine Toskana-Suppe, sondern wunderbar ausgereifte Sangiovese.

Podere la Cappella: “Corbezzolo 2001″

Und jetzt der Hammer: Der Weinschreiber findet doch absolut keinen Weinhändler in Deutschland, der diesen Wein vertreibt. Was er absolut nicht verstehen kann. Oder doch, bedent man, dass die Jahresproduktion dieses Weins gerade mal ca. 5000 Flaschen umfasst.

Aber noch ist nicht alelr Tage Abend: Der Kontakt zum Weingut ist bereits hergestellt. Der Stoff muss nach Deutschland - egal wie!
CU

16. Oktober 2006

Wie weise…

Autor: | Zeit: 12:34 Uhr | Rubrik: Wein

Heute bei Nikos Weinwelten gelesen:

„Wenn Sie eine Dreiviertelliter-Flasche Dornfelder für 1,99 Euro verkaufen wollen, müssen Sie entweder die Trauben klauen oder den Wein oder beides.“
(Dieter Weidmann, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft, zum Weinangebot eines Discounters)

Wie wahr! Wie wahr!

CU

11. Oktober 2006

FC Gasprom 04

Autor: | Zeit: 07:36 Uhr | Rubrik: Schalke

Demnächst werden die Spiele des ehemals FC Schalke 04 genannten Vereins nicht mehr in der Arena auf Schalke, sondern im Gulag Gelsenkirchen ausgetragen. Ich schaue mir das nicht mehr an.
CU

4. Oktober 2006

Bordeaux 1986 - Ein Klassiker

Autor: | Zeit: 08:04 Uhr | Rubrik: Wein

Am letzten Wochenende stand Großes auf dem Programm. Pünktlich zum 20. Geburtstag sollte sich der viel gerühmte Bordeaux Jahrgang 1986 einer Überprüfung durch 10 Nasen und ebenso vielen Gaumen unterziehen. Und für die Freunde kurzer Texte nimmt der Weinschreiber eines gleich vorweg: Die 86er präsentieren sich derzeit Sensationell! Für die Freunde der ausführlichen Information geht es nun mit dem Probenprotokoll weiter.

Unterteilt wurde die Probe in fünf Vierer-Flights, je Flight verdeckt und am Ende der jeweiligen Runde aufgedeckt. So konnte unvoreingenommen auch mal der vermeintlich Schwächere seine Qualitäten gegenüber den vermeintlich Großen ausspielen.

Abgerundet wurde diese Probe durch einen wunderbaren Champagner um Auftakt, einem 1949er Montrose als Pausenmelodie und drei herrlichen Süßweinen zum Abschluss. Doch dazu später mehr.

Kaum angekommen, wurde von den wieder einmal hervorragenden Gastgebern direkt ein Glas in die Hand gedrückt. Darin befand sich ein Pol Roger 1996, ein sich derzeit sagenhaft frisch und fruchtig präsentierender Champagner mit feiner Perlage, kräftiger, jedoch nicht aufgesetzter Frucht, kaum noch hefig wirkend und mit einem sehr schönen Finish. 93 Ingo-Punkte. Davon nahm man gerne noch einen zweiten Schluck, auch wenn das umfangreiche Probenprogramm zur Vorsicht und Zurückhaltung hätte veranlassen sollen. Dem Rat des Wineterminators folgend, bot ein im Vorfeld der Probe konsumiertes großes Glas Milch allerdings die perfekte Basis, um den Abend aufrecht stehend zu bewältigen.

Nach diesem hervorragenden Auftakt ging es direkt an den Tisch und los mit der ersten Runde. Außer dem Präsentator der Weine wusste niemand, was sich hinter der Alufolie für ein Etikett verbarg. Unvoreingenommen konnte also Wein für Wein neutral bewertet werden.

Flight 1
Jetzt ging es also los. Die Weine waren bereits am Morgen geöffnet und auf Kork hin überprüft, jedoch nicht dekantiert worden. Das sollte sich als gute Entscheidung erweisen, konnten sich die Weine doch im Glas noch entscheidend weiter entwickeln.

Domaine de Chevalier 1986
In der Nase Aromen von roten Beeren, Sauerkirsche. Gut eingebundene Tannine. Weiter Aromen von Tee, etwas nasser Stein. Ein Wein mit schönem Biss, einer verhältnismäßig knackigen Säure, frisch wirkend und Nuancen von Hagebutte freigebend. Im Abgang schön ausgewogen. 89 Ingo-Punkte.

Château Grand Puy Lacoste 1986
Kräftiger als der erste Wein: Aromen dunkler Waldbeeren, feines Holz, Erde, Vanille, Schokolade. Trotzdem lebendig, frisch und mit einem feinen Säuregerüst ausgestattet. Die Gerbstoffe sind perfekt eingebunden, eine beerige Reife mit Aromen von Piemontkirsche. Ein toller Saft mit hervorragendem Abgang. 93+ Ingo-Punkte.

Château de Fieuzal 1986
Ich notiere „dunkle Nase“, noch jugendlich, spürbare Gerbstoffe, Holz, Biss. Am Gaumen mit einer tollen Säurestruktur, Aromen von Toffée und einer ausgewogenen Struktur. Ein feingliedriger Saft, dem es in der Mitte allerdings etwas an Vielschichtigkeit fehlt. Trotzdem 92 Ingo-Punkte.

Château Canon 1986
Aromen von Zimt, Fleisch, insgesamt sehr eigensinnig. Trotzdem oder gerade deshalb ein toller Saft mit großer Reife, Aromen von Teer, dunklen Beeren und deutlichem Rauch. Auch im Abgang überzeugend. 91 Ingo-Punkte.

Flight 2

Vieux Château Certain 1986
Dunkle Waldbeeren begrüßen die Nase, dann auch erdige Aromen, Torf. Ein extrem konzentrierter Wein, für 1986 geradezu auffällig. Trotzdem sehr elegante Frucht, kraftvoll und ausgewogen. Am Gaumen frisch, mit einer schönen, runden Säurestruktur gesegnet und in einem rotbeerigen Finale endend. Ein toller Stoff! 95+ Ingo-Punkte im Glauben, dass der Wein noch länger Freude bereiten wird.

Château Montrose 1986
Viele können mit Montrose nicht wirklich etwas anfangen. Ich gehöre zur zweiten Fraktion. Zu präsent sind noch die Eindrücke des 91er Montrose, eben eines kontrovers diskutierten Weines eines laut Fachpresse grottenschlechten Jahrgangs. Und auch 1986 gefällt mir schlichtweg richtig gut! Da blind verkostet, ist diese Meinung eine objektive Weinschreiber-Meinung. In der Nase dunkle Beeren, frische geschnittene Zweige, Kirsche, Vanille, feines Holz. Am Gaumen mit einer tollen Struktur, sehr konzentriert und herrlicher Tee-Beeren-Aromenstruktur. Sehr schöner Druck am Gaumen, etwas Torf, Pferdestall, tolle Frucht und schöner Biss. Wieder sehr elegant in seinem Charakter, reif wirkend, mit einer sich toll entwickelnden süße und einem wunderbaren Finale. 93 Ingo-Punkte.

Château Cheval Blanc 1986
In der Nase dunkle Waldbeeren, Vanille, Schokolade. Sehr extraktreich, mit Nuancen von feinen Kräutern, am Gaumen vielleicht etwas fett wirkend, schöne Süße, reife Kirsche. Ein super eleganter Wein, rund und ausgewogen, mit einem ebenso langen wie wunderbaren Finale. 96+ Ingo-Punkte.

Château Lynch Bages 1986
Deutliche Aromen von Piemont-Kirsche, eine tolle Süße und reifer Frucht. Sehr elegant, ausgereift, feinwürzig, mit einem hervorragenden Finale. 94 Ingo-Punkte.

Flight 3

Château Pape Clémant 1986
Donnerwetter! Ein wieder mal gelungener 86er. Reife rote Beeren dominieren die Nase, aber auch Rauch, Kohle, Thymian. Dann eine süße Frucht, Mandel, Blaubeere, Kompott. Am Gaumen mit sehr ausgewogener Struktur, elegant und doch kraftvoll und mit einem runden, ausgewogenen Finish. 95 Ingo-Punkte.

Château Léoville Barton 1986
Sehr schöne Nase, die eine Liaison von roten und dunklen Beeren vermuten lässt, am Gaumen mit toller Säurestruktur und feinen Gerbstoffen, Aromen von dunklem Tee, leicht toastig, geröstet wirkend und mit sehr schöner Länge ausgezeichnet. 93 Ingo-Punkte.

Château Sociando Mallet 1986
Der – Gott sei Dank – einzige Korkfehler des Abends! Und das ist sehr schade, verbirgt sich hinter dem Muffton doch ein Wein mit herrlicher Aromatik, und derart dichter Struktur, dass man fast gewillt ist, ihn trotz seines Fehlers zu genießen. Ohne Ingo-Punkte.

Château Talbot 1986
Sehr schöne, reife Aromen nach Tee, roten Beeren, Tabak und frischen Kräutern. Wiederum sehr elegant, fast feminin, reif, mit toller Säurestruktur ausgestattet. Die Tannine sind perfekt eingebunden. Der Wein steht an der Kippe zur Überreife, ist derzeit auf seiner absoluten Höhe. 93 Ingo-Punkte.

Flight 4

Château Latour 1986
Dieser Wein ist für mich der Tropfen des Abends. Sensationell dichte Nase, Aromen dunkler Waldbeeren, reife, süße Kirsche, Tabak, Marzipan. Opulent. Geradezu verschwenderisch. Ein Wein mit einem Aromenspektrum und einer Finesse, die am Tisch ihresgleichen sucht. Auch der wunderbar ausgewogene, lange Abgang macht diesen Wein einzigartig. 99 Ingo-Punkte.

Château Cos d’Estournel 1986
Aromen reifer, süßer Beeren, Toffée, Schokolade. Am Gaumen mit opulenter Frucht, sehr elegant, druckvoll und extraktreich. Vanille vom Holzeinsatz ist noch zu vernehmen. Ein Wein mit sehr schönem, elegantem und langem Abgang. 95+ Ingo-Punkte.

Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande 1986
Ein Wein mit „helleren Aromen“ nach roten Beeren, Vanille. Sehr rund und ausdrucksstark, mit opulenter Frucht am Gaumen, viel Kraft und tollem Finish. 95 Ingo-Punkte.

Château Gruaud Larose 1986
Ein würziger Tropfen, gepaart mit opulenter Frucht, Aromen dunkler Beeren vereinigen sich mit holzig-süßen Noten. Tolle Struktur am Gaumen, kraftvoll, Noten von Schiefer, Teer, Vanille. Schöne Extrakte zeichnen ihn aus. Auch im Abgang voll überzeugend. 95 Ingo-Punkte.

Flight 5

Château Margaux 1986
Sehr schöne Aromen von Cassis, Piemontkirsche, Vanille. Ein sehr extraktreicher Wein mit guter Säurestruktur, fast jugendlichem Biss und schönen Tanninen. Der Margaux ist noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung! Alleine schon seine Entwicklung im Glas in den wenigen Minuten seiner Existenz, bevor der Weinschreiber gnadenlos zuschlägt, lässt das Potential erahnen. 96+ Ingo-Punkte.

Château Lafite 1986
Sehr schöne extraktreiche Frucht, Aromen dunkler Beeren und finessenreiche Säurestruktur. Rund und ausgewogen wirkend, sehr elegant, mit femininen Aromen roten Tees. Sehr schöner Druck und wunderbarer Abgang. 95+ Ingo-Punkte.

Château Léoville Las Cases 1986
Aromen reifer Kirsche, Vanille, Thymian, Holz. Ein würziger Wein mit tollem Gaumen, opulenter Süße und leicht rau anmutender Struktur. Fest, kraftvoll mit toller Beerenaromatik. Toller Abgang! 97 Ingo-Punkte.

Château Mouton Rothschild 1986
Ursprünglich nicht vorgesehen, dann als zusätzlicher Blinder die Runde der Premiers komplettierend. Summa summarum wirklich generöse Spender, denn diese Runde bleibt dauerhaft in hervorragender Erinnerung! Doch nun zum 100 Parker-Punkte Wein: Zu Beginn ein kleiner Stinker, Aromen von Sattelleder, Schwefel, Erde. Dann aber auch tiefgründige Süße und geradezu hedonistische Frucht, viel Kraft und toller Struktur am Gaumen. Ein sehr eleganter Wein, der sich gerade am Beginn seiner Trinkreife befindet. Viel Saft, tolle Struktur und sensationelle Länge. Aber derzeit vielleicht etwas verhalten. Der kann noch mehr. Daher 96+ Ingo-Punkte.

Dazu probiert
Neben den sensationellen 86er Bordeaux gab es noch weitere Weine, die „nebenher“ mit in die Runde eingeflossen sind. Dass diese Weine ebenfalls mehr als nur eine Randbemerkung wert sind, verdeutlichen die folgenden Probennotizen:

Château Montrose 1949
Ein doch schon sehr gereifter Bordeaux, der mittlerweile mit 57 Lenzen auf dem Buckel trotzdem noch verhältnismäßig frisch erscheint. Erstaunlich dunkel im Glas, lebendig, wenn auch mit beginnender Port-Typizität, von filigraner Charakteristik. Ein Wein, dem die Runde keine Wertung zuordnen wollte – vielleicht auch als Anerkennung des Alters und der damit verbundenen Ehrerbietung. Ein echtes Weinerlebnis. Ohne Ingo-Punkte.

Château Laville Haut Brion 1998
Erstaunlich holzig-würzig, mit Noten von Vanille und jugendlicher Frucht. Feingliedrig, schöne Würzigkeit, mit einem holzig-fruchtigen, weichen Abgang. 88 Ingo-Punkte.

Château Guiraud 1986
Zu Beginn eine verhaltene Süße, Aromen reifer Aprikose, Weinbergpfirsich, leicht petrolisch wirkend. Ein Wein mit süßem opulenten Körper und schönem Finish. 88 Ingo-Punkte.

Château d´Yquem 1986
Der wohl berühmteste weiße Süßwein der Welt – und das nicht zu Unrecht! Wieder diese für Süßweine typische Petrolnote, gefolgt von einer geradezu leichten Aromatik nach Aprikose, Trockenobst. Kraftvoll am Gaumen, trotzdem filigran wirkend. Ein Wein, der „besoffen“ macht, betörend wirkt. Feminine Opulenz. Druckvoll, kraftvoll, trotzdem einladend. Ein den Gaumen verwirrender Wein, saftig, süß, mit schöner Säurestruktur und wunderbarem Abgang. 92+ Ingo-Punkte.

Alois Kracher Nr. 4 1996
Hierzu fehlen mir ausführliche Noten. Ich notiere noch „Klebstoff“, dann verklebt der Wein wohl die Sinne des Weinschreibers. Aber nach all den Granaten im Glas darf das Ende auch wortkarg ausfallen. Setzen und genießen! Einfach ruhig den Abend passieren lassen. Sich mit Freunden austauschen und einfach nichts mehr aufs Papier bringen. Die Noten für den Wein sehe ich noch bei 90 Ingo-Punkten. Mehr aber auch nicht. And the rest is silence…

Das waren die Eindrücke des Weinschreibers zu Bordeaux 1986. So komplett wie an diesem Abend wird eine Einschätzung des sensationell guten bordelaiser Jahrgangs nicht mehr möglich sein. Der Weinschreiber dankt den Einladenden, dass er bei eben dieser berücksichtigt wurde. Solche Erlebnisse zu wiederholen, wird stets schwieriger. Zum einen werden die Weine der besseren und besten Jahrgänge nicht mehr. Zum anderen werden zukünftige Jahrgangsverkostungen in dieser Breite für Normalsterbliche finanziell nicht mehr machbar. Und darüber hinaus erfreute sich die Runde über Weine, die noch nicht dem Hype der Parker-Punkte erlegen waren und mit Finesse statt eintöniger Opulenz überzeugten. Der klassische Bordeaux spielt von seiner Idee her in einer völlig anderen Liga, als es die modernen Weine dieser Region vermögen.

Bei solchen Verkostungen spielt Wehmut, verbunden mit der Hoffnung auf Rückbesinnung zu klassischen Stärken eine wesentliche Rolle. Der Weinschreiber wünscht sich mehr Mut zur Eigenständigkeit, die – ist man ehrlich – nur schwer durchsetzbar sein wird. Zu sehr schielt die Weinwelt auf die wenigen Weinpäpste, die die Richtung in Sachen Geschmack vorgeben. Zwar in eine eher falsche Richtung (wie der Weinschreiber subjektiv meint), aber eben dem Zeitgeist entsprechend. Aber ist der Zeitgeist alles?

1986 zeigte sich jedenfalls zum 20. Geburtstag frisch, tiefgründig und durchaus intellektuell. Ist es nicht das, was gestandene Weinfreaks wollen?
CU

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