Am Samstag luden die Weinfreaks aus Düsseldorf zur Probe der interessanten Art. Pinot Noirs aus Übersee standen auf der Tagesordnung. Ein für den Weinschreiber noch relativ unbekanntes Terrain. Somit stand die Degustation auch unter dem nicht offiziellen Motto der flüssigen Weiterbildung. Und es gab einige neue Eindrücke, die eine oder andere Überraschung und die Erkenntnis, dass Übersee und alte Welt in Sachen Pinot Noir nicht wirklich viel gemeinsam haben.
Stattgefunden hat die Verkostung übrigens in der Weinhandlung La Vinesse in Düsseldorf Flingern. Hartwig Fricke, Inhaber und somit auch Gastgeber, sorgte für hervorragende Rahmenbedingungen, die das konzentrierte und doch entspannte Verkosten der Weine ermöglichte. Auch in Sachen Weinkauf ist La Vinesse als absoluter Tipp zu nennen. Eine hervorragende Winzerauswahl lacht aus den Regalen hervor. Da macht das Stöbern gleich doppelt Spaß!
Doch nun zu den eigentlichen Stars des Abends.
2005er Rapel Valley Pinot noir, Cono Sur, Chile
Glasklare Nase, frisch, fruchtig, fast saftig. Aromen von Himbeere, roter Johannisbeere, etwas Rauch. Am Gaumen mit guter Säurestruktur, etwas süßlich wirkend, einem Hauch von Holzeinsatz. Mittlerer Körper, mittlerer Abgang. Ein schöner Trinkwein. 83 Ingo-Punkte.
2003er Casablanca Valley Pinot noir »Ocio«, Cono Sur, Chile
Hier schon eine viel dichtere Nase. Ein süßer Hauch ist vorne, dann aber auch kräftiges Beerenaroma. Eine leicht ätherische Note gesellt sich hinzu. Sehr komplex, schöne Würze, auch Kirsche und vielleicht frische Pflaume. Schokolade?
Am Gaumen sehr dicht, saftig, mit opulenten Aromen süßer Beeren. Eine gute Säurestruktur, gelungener Holzeinsatz und ein fruchtiges, Mund füllendes Finale. 86 Ingo-Punkte.
2004er Santa Maria Valley Pinot noir, Au Bon Climat, Santa Maria, Kalifornien
In der Nase eine sehr schöne Pinot Noir Typizität, leicht rauchig, dann Aromen von Erdbeere, roten Früchten, Asche. Aber auch Klebstoff. Der Wein wirkt schon fast fett, wie eine Wuchtbrumme. Am Gaumen dann süß, alkoholisch, etwas bissig, mit knackigen Tanninen. Sehr jung. Dann aber leider auch chemische Töne und ein etwas seifig wirkender Abgang. 82 Ingo-Punkte.
2002er Santa Ynez Valley Pinot noir »Mount Carmel Vineyard«, Au Bon Climat, Santa Maria, Kalifornien
Klassisch rotbeerige Nase, dann auch süße Kirsche, leicht rauchig. Ein schöner Würzstrauß ergänzt die Aromenpalette. Am Gaumen dann kann der Pinot leider die ersten Eindrücke nicht ganz bestätigen. Etwas eindimensional wirkend, zwar sauber vinifiziert, mit mittlerem Körper ausgestattet. Kühl wirkend, Noten von Eukalyptus und Kirsche, einer schönen Säurestruktur und gutem Holz. Leichte Vanillenoten sind zu vernehmen. Im Abgang dann doch gut. 86 Ingo-Punkte.
2003er Pegasus Bay Pinot noir, Pegasus Bay, Waipara Valley, Neuseeland
Zunächst einmal wird man von Aromen nach getoastetem Holz und Schokolade begrüßt. Das muss man mögen, sonst ist schon hier das Damoklesschwert gefallen. Dann aber langsam auch Himbeere, eine feine Würze, Asche. Später auch dunkle Beeren, Süßholz. Auch gegrilltes Fleisch wird in der Runde genannt, Kohle ebenso. Irgendwie alles etwas diffus. Am Gaumen mit einem dichten Körper, sehr schöner Eleganz, aber leider auch einem eher mittleren Abgang. 88 Ingo-Punkte.
2004er Pinot noir, Wine of Origin Walker Bay, Hamilton Russell, Hermanus, Südafrika
KORK!!!
Hans Peter Ziereisen Spätburgunder Rhini 2003
Hilfe!!! Ein Pirat!!! Aber ein Guter! In der Nase zeigt sich ein kräftiges Toasting, dann Kirsche, Graphit, Süßholz, Vanille, Karamell. Am Gaumen dann mit knackiger Säure, kräftigen Tanninen und schöner Fruchtigkeit. Saftig, mit viel, viel Potential. Aber auch noch viel zu jung! Aber ein schöner Druck und die angenehme Länge lassen schon Freude auf den nächsten Schluck in vier, fünf Jahren aufkommen. 90+ Ingo-Punkte.
2004er Marlborough Pinot noir, Nautilus, Renwick, Neuseeland
Aromen nach roten Beeren, aber auch grüne Zweige, einer animalischen Note. Unreif wirkend, stichige Nase. Auch am Gaumen unreif, unrund, Aromen von Cassis, aber sonst unausgewogen mit kräftiger Säurestruktur. 77 Ingo-Punkte.
2004er Pinot noir, Wine of Origin Paarl, Glen Carlou, Klapmuts, Südafrika
Wieder ein etwas süßlicher Pinot. Aromen roter und dunkler Beeren, dann Marzipan, Amarenakirsche, reife Pflaume. Vielleicht etwas Banane(?). Sehr dicht, cremig und alkoholisch. Eine etwas vordergründig wirkende Wuchtbrumme. 81 Ingo-Punkte.
2002er Central Otago Pinot noir, Felton Road, Bannockburn, Neuseeland
Ganz anders dagegen dieser Neuseeländer! Aromen süßer Beeren, Hagebutte, ganz dezenter Rauch, feiner Holzeinsatz, Kirsche. Sehr schöne, runde und ausgewogene Nase. Auch am Gaumen mit süßen Aromen von Kirsche und Schokolade. Wunderbar reife Frucht, gute Säurestruktur, zwar ein Hauch alkoholisch wirkend, aber mit einem sehr schönen Finish. Vielleicht ein, zwei Grad zu warm genossen. 91 Ingo-Punkte.
2003er Pinot noir »Galpin Peak«, Wine of Origin Walker Bay, Bouchard Finlayson, Hermanus, Südafrika
Ein verrückter Wein. Der erste Eindruck: Weinschreiber betritt einen chinesischen Supermarkt. Sojasoße, verbranntes Gummi, kalter Kaffee wird auch genannt. Sehr würzig, etwas ruppig, Aromen von Schokolade. Für den Weinschreiber sehr schwer einzuordnen. 82-84 Ingo-Punkte.
Beaune Boucherottes 2002
KORK!!! Gibt’s das denn…
2003er Pinot noir »Galpin Peak Tête de Cuvée«, Wine of Origin Walker Bay, Bouchard Finlayson, Hermanus, Südafrika
Süße fruchtige Nase, rote Beeren dominieren zunächst, dann auch Marzipan, Graphit. Sehr vielschichtig, opulenter Aromenkranz, dabei sehr elegant. Am Gaumen dann wieder sehr dicht, komplex, beerig. Ein toller Saft, Aromen von Tee, Schiefer. Sehr elegant und super Abgang. 92 Ingo-Punkte.
Bouchard Père & Fils 1er Cru Volnay Caillerets 2005
Ein Wein der alten Welt. Super schöne primärfruchtige Nase nach rotem Tee, roten Beeren, Cassis. Sehr mineralisch, ausgewogen, stoffig. Ein Hauch Graphit, Muschelkalk, dann schwarze Johannisbeere. Enorme Länge! 93+ Ingo-Punkte.
2003er Willamette Valley Pinot noir »Reserve«, Cristom Vineyards, Salem, Oregon
Ein eher barocker Wein. Zuerst Klebstoff, dann dankenswerter Weise auch dunkle Beeren. Ein schwieriger Wein. Gute Struktur, aber die Aromen deuten auf irgendwelche Probleme hin. Zwar fruchtig, relativ mineralisch, aber auch uneinheitlich. 84 Ingo-Punkte.
2003er Willamette Valley Pinot noir »Jessie Vineyard«, Cristom Vineyards, Salem, Oregon
Super runde Nase mit dunklen Waldbeeren, erdige Noten, Blaubeeren, dann auch Marzipan. Sehr dicht, komplex, Noten von Toffée. Die Struktur ist super schön elegant. Auch das Finale ist von hervorragender Länge gekennzeichnet. 93 Ingo-Punkte.
Insgesamt lässt sich anhand der verkosteten Weine aussagen, dass die Pinots aus Übersee eher mit Frucht und Süße überzeugen wollen. Die den europäischen Pinots eigene Mineralität scheint dort eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Für die europäische Nase sind die verkosteten Weine mehrheitlich nicht ohne weiteres als Pinot zu identifizieren. Vielleicht liegt es daran, dass der Sieger der Übersee-Verkostung ein Franzose war. Aber interessant ist’s allemal! Und hier und da könnte auch ein Kaufreflex folgen.
CU
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