Der kleine Bruder der Herdade do Esporão war ja schon Thema auf Weinschreiber.de und schnitt mit 91 Punkten wahrlich nicht schlecht ab. Nun sollte es also der große Wein des Hauses sein. Mal schauen, ob sich der Mehrpreis für das Vorzeigegewächs des Weinguts auch wirklich rentiert.
Herdade do Esporão: „Private Selection Red 2004“
Der Wein schimmert in einem tiefdunklen Rubinrot im Glas. Der Kern ist fast schwarz, kaum eine Aufhellung zum Rand zu vernehmen.
In der Nase machen sich sofort sehr reintönige, klare und doch kraftvolle Aromen von Blaubeere, perfekt eingebundenem Holz, Gewürzen, Veilchen, Rose, Süßholz und vielleicht auch Nelke breit. Die Nase ist superschön. Fast zu schade, den Wein zu trinken. Aber nur fast.
Am Gaumen dann präsentiert sich das Gewächs natürlich noch sehr jung, frisch, mit Aromen von Blaubeere und feinem Holzton. Die kräftigen, jedoch sehr guten Tannine und die feingliedrige Säurestruktur vereinen sich zu einem eleganten, tiefgründigen Ganzen. Der Esporão bietet zudem wieder diesen wunderbaren Gewürzstrauß, eine intensive Beerigkeit, eine feine Süße und die Opulenz eines großen Weins. Auch im Abgang sehr lang, beerig-würzig und gleichzeitig animierend.
Dieser Wein hat extrem viel Potential. Wer die südlichen Charaktere mit filigraner Kraft schätzt, wird diesen Wein lieben. 93++ Ingo-Punkte.
Glaubt man den Ausführungen von Wikipedia, so wurde heute vor 530 Jahren George Plantagenet, 1. Herzog von Clarence und gleichzeitig Rivale von Richard III, nach der Verurteilung zum Tode in einem Weinfass ertränkt. Malvasierwein soll’s gewesen sein. Das ist der Beweis: Wein ist halt nur in Maßen genossen gesundheitsfördernd…
CU
Das Weingut Langwerth von Simmern befindet sich in der Rheingauer Stadt Eltville. Die Historie der Freiherren Langwerth von Simmern im Rheingau reicht zurück bis in das Jahr 1464. Der heutige Besitzer ist Georg R. Freiherr Langwerth von Simmern. Mit viel Engagement schaffte er aus dem traditionellen Weingut einen modernen Rheingauer Vorzeigebetrieb. Die Weinberge umfassen 26,5 Hektar Rebfläche, unter anderem auch in der Spitzenlage Hattenheimer Mannberg. Sämtliche Rieslinge des Guts werden im Stahltank ausgebaut. Allerdings wird derzeit darüber nachgedacht, die besten Weine zukünftig wieder im großen Holzfass auszubauen. Wenn man sich den vorliegenden Wein etwas genauer anschaut, stellt man sich schon die Frage, ob das Holzfass immer die beste Lösung sein muss. Denn dieser Wein macht Spaß. Richtig Spaß!
Freiherrlich Langwerth von Simmern’sches Rentamt: „Riesling HATTENHEIMER MANNBERG Erstes Gewächs 2006“
Der Hattenheimer Mannberg gehört mit seinem tiefgründigen, kalkhaltigen Lössboden zu den Vorzeigelagen des Weinguts. Hier entstehen „(…) dichte Weine mit komplexer Frucht und feiner Würze“, so liest man es auf der Webseite des Rentamts. Grund genug, sich das erste Gewächs einmal genauer anzuschauen.
Im Glas schimmert der Riesling in einem glasklaren, blassen Gelb. In der Nase machen sich Aromen von Grapefruit und grünem Apfel breit. Leicht herb-frisch wirkend, mit einem Hauch hefiger Noten. Leicht vegetabil. Fein salzige Noten sind auch dabei. Sehr frisch, sehr fruchtig, straight. Allerdings auch noch sehr jung.
Am Gaumen dann machen sich zunächst wieder Zitrusaromen breit. Die lebendige Säure wirkt wunderbar animierend. Sehr mineralisch, viel Biss, viel Druck. Trotz der Jugend bereits jetzt hervorragend zu genießen. Kräuterige Aromen ergänzen das Gesamtbild. Dieser Wein packt zu. Herbe Frische und ein sehr schön gelungener Körper animieren zum Weitertrinken. Auch das Finale ist fruchtig-lang und von schöner Tiefe gezeichnet. 90+ Ingo-Punkte.
Angesichts des relativ günstigen Preises für ein Rheingauer Erstes Gewächs dieser Qualität ein unbedingtes Muss im Weinkeller!
CU
Der Wein des Tages verifiziert in anschaulicher Weise das Sprichwort Nomen est omen.
Forstmeister Geltz Zilliken: „Riesling Spätlese Saarburger Rausch 2004“
Das an der Saar beheimatete Familienweingut betriebt den Weinbau bereits seit über 260 Jahren. Auf etwa 11 ha Rebfläche werden heute ausschließlich Rieslinge angebaut. Und die Einzellage Saarburger Rausch beschreibt namentlich, was man derzeit mit der vorliegenden Spätlese aus dem Hause Zilliken erleben darf.
In hellem Gelbgold schimmert der Riesling im Glas. In der Nase entfalten sich glasklare Aromen von Ananas und Boskopapfel. Frisch und elegant, durchaus das Zuckerschwänzchen nicht verleugnend. Das herrliche Arome der ersten Reife, das Stelldichein der einzelnen Aromen zu einem einheitlichen Ganzen macht mächtig Spaß.
Auch am Gaumen setzt sich der positive Eindruck fort: Frische Ananas, reifer Apfel und eine sehr schön ausgewogene Säurestruktur vermögen zu überzeugen. Der eher schlanke Körper fängt die Fruchtsüße gut auf. Auch im Abgang vermag die Spätlese vollauf zu überzeugen. Ein Wein, der derzeit richtig Trinkvergnügen bereitet. 87 Ingo-Punkte.
CU
Das Vecchia Roma in Essen ist wieder da!
Geraume Zeit gehörte das Vecchia Roma zu einer der ersten Anlaufadressen in Essen, wenn es um italienische Kochkunst auf hohem Niveau ging. Doch im letzten Jahr nahm die Qualität merklich ab, so dass der Weinschreiber das sonst so schöne Restaurant eigentlich schon verloren gab. Grund hierfür waren die Ambitionen des Inhabers Manuel D’Incicco, neue gastronomische Wege in neuer Umgebung gehen zu wollen und das Vecchia Roma dadurch etwas zu vernachlässigen.
Die Ambitionen sind verschwunden und das Vecchia Roma somit wieder in festen Zügeln. Und das merkte man direkt beim ersten Besuch nach der enttäuschenden Vorstellung zuvor.
Neues Ambiente, zuvorkommende Bedienung, reichlich Platz. Auch das überarbeitete Speisenkonzept kann sich sehen lassen. Zwar gibt es auch weiterhin die Gerichte in normaler Portion. Viel interessanter erschein jedoch die große Auswahl an Assagini, kleinen Portionen also, die es erlaubten, sich quer durch die Kochkünste des Vecchia Roma zu probieren. Seien es die gebratenen Jacobsmuscheln auf Knoblauch—Limonensauce, die Muscheln in leichter Tomatenjus, das Roastbeef von der Barbarie Entenbrust auf gegrilltem Radicchio, die in Barolo geschmorten Kalbsbäckchen oder die Schwarze Linguine mit Seeteufel und Jacobsmuscheln – alles auf den Punkt gegart und geschmacklich vorzüglich.
Der dazu gereichte Château Saint-Pierre 1990 zeigte sich ebenfalls von seiner besten Seite: Wunderbar ausgereift, eine sich herrlich entwickelnde Aromenstruktur, mit sehr schön eingebundenen, mürben Tanninen und feiner, süßer Frucht. Jetzt perfekt zu trinken und ein echtes Weinerlebnis. 92 Ingo-Punkte.
Auch die weitere Weinkarte liest sich gut. Was hierbei vor allem auffällt, ist die sehr fairpreisige Kalkulation der Weine. Hier kann man noch echte Schnäppchen machen.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass das Vecchia Roma wieder zu den besten Adressen italienischer Kochkunst in Essen gezählt werden darf. Und das zu Preisen, die es auch Normalsterblichen ermöglicht, einen wunderbaren Abend in Essen-Frintrop zu verbringen.
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Bodegas Valdemar:
Die Bodegas Valdemar ist ein alt eingesessener Familienbetrieb. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1889. Der heutige Besitzer, Jesus Martinez Bujanda, leitet das Weingut gemeinsam mit seinen Kindern Ana und Carlos. Und dies auch sehr erfolgreich, wie der aktuelle Wein der Woche beweist.
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