Wer einmal in seinem Leben wissen möchte, was Tannine sind, sollte sich mal einen jungen, traditionell ausgebauten Barolo aus einem guten Jahrgang gönnen. Trinkgenuss sieht zwar anders aus. Aber nach dem ersten Glas eines solchen Weins verrät die eigene Zunge genau, was die (be-)schreibende Weinzunft meint, wenn sie von Gerbstoffen spricht.
Diese Erfahrung konnte der Weinschreiber auf der diesjährigen ProWein machen, als er die Barbera und Barolo des piemontesischen Weinguts Vietti verkostete. Die Weine der Viettis wirken in ihrer Jugend anziehend und abstoßend zugleich. Anziehend, weil sie Zeugnis ablegen über die qualitativen Möglichkeiten der Nebbiolo Traube, abstoßend, weil sie ihre Reife erst in vielen Jahren erreichen werden.
Die Viettis erzeugen im mittelalterlichen Castiglione Falletto seit mittlerweile vier Generationen hervorragende Weine. Die traditionellen Methoden der Weinbereitung werden hier durch dem Einsatz moderner Technik ergänzt. Viel Arbeit im Weinberg und vor allem die strenge Selektion des Traubenmaterials bilden die Grundlage für charaktervolle Weine mit festem Körper und größter Finesse.
Vietti: „Roero Arneis 2008“
In der Nase eine Bonbon Note, nicht unangenehm, dann Birne, Stachelbeere, Apfelschale. Sehr saftig, mit feinem Schmelz ausgestattet, gute Säurestruktur. Ein feiner Weißer, der eher eleganter Natur ist. Macht Spaß. 85 Ingo-Punkte
Vietti: „Barbera d’Alba ‚Tre Vigne’ 2007“
In der Nase rotbeerig, dann Holunderbeere. Ein femininer Wein, zugänglich, elegant. Sehr gut. 86 Ingo-Punkte.
Vietti: „Barbera d’Asti ‚Tre Vigne’ 2007“
In der Nase Tee, Teer, wenig Frucht. Ein etwas spitz wirkender, herausfordernder Wein mit knackiger Säurestruktur, viel Biss. 84 Ingo-Punkte.
Vietti: „Barbera d’Alba ‚Scarrone’ 2006“
Blaubeere, dann erdige Noten, Graphit, Brot. Mürbe Tanninstruktur, gut ausbalancierte Säurestruktur. Noch sehr junger, eleganter Saft mit sehr schöner Länge. 88+ Ingo-Punkte.
Vietti: „Barbera d’Alba ‚Scarrone Vigna Vecchia’ 2006“
Typisch beerig-rauchige Nase mit erdigen Noten. Dann Blaubeere, Brombeere und eine deutliche mürbe Tanninstruktur. Derzeit unnahbar, jedoch mit viel Potential. 90+ Ingo-Punkte.
Vietti: „Barbera d’Asti ‚La Crena’ 2006“
Holunder, Hagebutte. Am Gaumen mit etwas spitzer Säure, jedoch vollem Körper. Noch sehr jung. 89 Ingo-Punkte.
Vietti: „Nebbiolo ‚Perbacco’ 2006“
Sehr elegante, beerige Nase, leicht rauchig wirkend, dunkle Beeren, Sauerkirsche. Am Gaumen mit schönem Biss, einer harmonischen Tanninstruktur und vollmundigem Körper. Ein sehr schöner Nebbiolo mit guter Länge. 90+ Ingo-Punkte.
Vietti: „Barbaresco ‚Masseria’ 2005“
Ätherische Nase, dann Hagebutte, elegant wirkend. Am Gaumen herausfordernde, mürbe Tannine, ein tolles Säuregerüst, knochentrocken, extrem jung. Und gut! 91 Ingo-Punkte.
Vietti: „Barolo ‚Castiglione’ 2005“
Eine sehr elegante, fast feminine Nase, weich, rotbeerige Frucht, Graphit. Am Gaumen mit feinem Biss und einem tollen Körper. Die mürben Tannine lassen Großes erwarten. 92+ Ingo-Punkte.
Vietti: „Barolo ‚Brunate’ 2005“
Enorme Nase nach roten und dunklen Beeren, Sauerkirsche, Kräutern, feines Holz. Ein kraftvoller Barolo mit viel Druck, mächtigen Tanninen und festem Biss. Viel zu jung, jedoch mit enormem Potential. Tolle Länge! 93+ Ingo-Punkte.
Vietti: „Barolo ‚Lazzarito’ 2005“
In der Nase rote Beeren, feiner Holzeinsatz. Am Gaumen sehr herausfordernd. Massig mächtige, mürbe Tannine, hinter denen sich der elegante Wein anzudeuten vermag. Lang. 92+ Ingo-Punkte.
Vietti: „Barolo ‚Rocche’ 2005“
Enormer, monumentaler Kraftprotz. Power pur – ob in der Nase oder am Gaumen. Dunkle Beeren, Sauerkirsche, leicht vanillige Note. Am Gaumen mit massig mürben Tanninen, einer kräftigen, jedoch hervorragend ergänzenden Säurestruktur, viel Biss, viel Saft, viel Power. Und ewig lang! Der hat das Zeug zum Großen! 94+ Ingo-Punkte.
Nach dieser Verkostung weiß man, was Tannine sind. Aber gleichzeitig auch, dass das Weingut Vietti zu den besten Erzeugern im Piemont zu zählen ist. Auch wenn die Preise für die Barolo zuweilen schockierend sein mögen – diese Weine verzeihen allemal eine kleine Sünde in der Haushaltskasse.
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Die Bodegas Valdemar ist ein alt eingesessener Familienbetrieb. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1889. Der heutige Besitzer, Jesus Martinez Bujanda, leitet das Weingut gemeinsam mit seinen Kindern Ana und Carlos. Und dies auch sehr erfolgreich, wie der aktuelle Wein der Woche beweist.
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