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CB-Weinhandel

11. März 2010

Manchmal hilft der direkte Vergleich

Autor: | Zeit: 18:37 Uhr | Rubrik: Wein

Die Gelegenheit war günstig. Denn beide Flaschen standen zur Verkostung bereit. Zwei der angesagtesten Weinerzeuger Italiens stellten jeweils einen Wein aus dem Jahrgang 2006 zur Verkostung bereit. Angelo Gaja auf der einen Seite, Marchese Piero Antinori auf der anderen. Und nicht nur die Winzernamen hatten Klang. Auch die beiden Weine konnten sich sehen lassen.
Angelo Gaja brachte den Promis aus seinem Toskana Projekt mit, Antinori seinen Tignanello. Grund genug für den Weinschreiber, sich etwas genauer mit beiden Kontrahenten zu beschäftigen.

Angelo Gaja

null Wer Italiens Weine kennt, kennt auch Angelo Gaja. Seit 1961 leitet er das 1859 gegründete Weingut in der Vorzeigeregion Piemont. Seine Barbaresco erreichen regelmäßig Höchstnoten. “Decanter” und “Winespectator” kürten ihn wiederholt zum “Man of the Year”. Er hält mit seinen Weinen den Rekord bei der Anzahl der „Tre Bicchieri“, also der höchsten Auszeichnung eines Weins im Gambero Rosso, dem Standardwerk für Weine aus Italien. Und seit einiger Zeit treibt sich Gaja nun auch in der Toskana herum. In der Maremma gründete er das Weingut Ca’Marcanda, mit dem er unter anderem den vorliegenden Wein erzeugt. Und auch hier beweist er seinen guten Geschmack und sein Gespür für die besten Lagen. Denn mit dem Promis schuf Gaja ein weiteres vinophiles Stück Glückseligkeit.

Gaja Ca’Marcanda: Promis Rosso Toscana 2006 IGT
Im Glas schimmert der Wein in einem kräftigen Rubinrot. Die Aromen reichen von feinen Röstaromen über intensive dunkelbeerige Früchte, erdige Noten, Schokolade bis hin zu einer eleganten Amarenakirschnote sowie einem ganz zarten Hauch Vanille. Feine, florale Töne sind ebenfalls zu vernehmen.
Am Gaumen zeigt sich der Wein in seiner jugendlichen Sturm- und Drangphase, kräftig, opulent, mit feinem Tanningerüst und sehr schöner Säurestruktur. Die Cuvée aus 55% Merlot, 35% Syrah und 10% Sangiovese vereint die würzige Kraft des Syrah, die vollmundige Eleganz des Merlots und die jugendliche Härte der Sangiovese schon jetzt ideal. Der Wein ist sehr komplex, hat Tiefe, präsentiert seine Herkunft wunderbar. Auch der Abgang ist gewaltig. Ein geschliffener Wein, noch jung, doch mit großem Potential. Und im Gegensatz zu Gajas piemonteser Gewächsen geradezu lächerlich günstig!
Der Weinschreiber verkostete den Promis in einem Flight mit Tignanello 2006. Hier gab es einen klaren Sieger: Den Promis von Gaja. 93+ Ingo-Punkte.

Marchese Piero Antinori

nullWenn von italienischen Weinen die Rede ist, fällt gleich zu Beginn häufig auch ein Name: Tignanello. Der Wein aus dem Hause Antinori gilt als einer der Wegbereiter der sogenannten „Super Tuscans“, der Weine also, die Mitte der 70er Jahre nicht gemäß den traditionellen Regeln des Consorzio Vino Chianti Classico hergestellt wurden und nur als Vino da Tavola deklariert werden durften. Antinori verzichtete Bei der Herstellung des Tignanello nämlich auf die damals vorgeschriebene Zugabe von einer Mindestmenge Weißweinen der Rebsorten Trebbiano und Malvasia. Heute trägt er die Bezeichnung „Indicazione Geografica Tipica“ (IGT). Viele Weinliebhaber trauen der Qualität des Weins blind, so dass sich sein Erfolg bis heute halten kann. So legendär der Wein auch ist. Legenden bedürfen ab und zu auch einer Überprüfung.

Tenuta Tignanello Toskana Rosso IGT 2006
Im Glas schimmert der Wein in einem intensiven Rubinrot. In der Nase machen sich Aromen dunkler Früchte breit. Erdige Noten gesellen sich hinzu, auch Süßholz, Tabak, Cassis. Zitrus. Eine elegante Nase, nicht aufdringlich, eher aristokratisch. Feinwürzige Noten runden den Duft ab.
Am Gaumen zeigt sich der Tignanello seidig, elegant, mit Aromen roter Beeren, etwas Holz. Die Cuvée aus 85% Sangiovese, 5% Cabernet Franc sowie 10% Cabernet Sauvignon wirkt weich, elegant, sehr schmeichelnd. Auch seine Tannine sind bereits gut eingebunden, weich. Finessenreich, mit kräftiger Säure und schönem, langen Abgang.
Sicher, der Tignanello 2006 ist ein guter, ein sehr guter Wein. Aber im direkten Verglich mit dem Promis von Gaja wirkt der Wein verhalten, zu weich gespült – eben wie ein zweiter Sieger. 91+ Ingo-Punkte für den Wein, der doppelt so viel kostet, wie sein Kontrahent.

Weinschreibers Fazit? Eindeutig. Zumindest, so lange die Toskaner von Gaja sich preislich nicht seinen piemonteser Gewächsen angleichen.

CU

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