Musste gestern auch mal sein:
Schloss Johannisberg: Riesling „Silberlack“ Erstes Gewächs 2007
In der Nase von schöner erster Reife, klar, nicht firn, mit feinen Kräutern, Quitte, reifem Apfel, Birne, vielleicht sogar ein Hauch Kokosnuss. So macht Riesling in seiner ersten Reife Spaß! Vielschichtig, elegant, von süßer Frucht ummantelt.
Auch am Gaumen zeigt sich der Silberlack von hervorragender Qualität. Sehr gehaltvoll, jedoch nicht aufdringlich, mit schöner Mineralität ausgestattet, harmonisch, rund. Die Frucht animiert, das feine, sehr gut eigebundene Säuregerüst unterstützt die Charakteristik des Weins ideal. Ein nicht zu opulenter Wein, nachhaltig, eindringlich. Sehr schöner, langer Abgang, der durch die Frucht und kühle Kräuteraromatik getragen wird. Sehr schön! 94 Ingo-Punkte.
CU
Wer italienische Weine liebt, wird geradezu auf diesen Namen gestoßen: Antinori. Das Haus Antinori produziert ca. 20.000.000 Flaschen pro Jahr, bei über 2.200 ha Rebfläche sicher ein recht hoher Aufwand. Mit Familienbetrieb nach traditionellen Maßstäben hat das sicher nicht mehr allzu viel zu tun. Und doch kommt auch aus dem Hause Antinori viel Gutes. Solaia oder Tignanello gehören sicher zu den bekanntesten Weinen der Toskana. Generell lässt sich durchaus festhalten, dass aus dem Hause Antinori viel Gutes ins Glas kommt. Der Gambero Rosso, Italiens sicher einflussreichster Weinführer, behauptet zumindest, dass die Kellerei als die bedeutendste ganz Italiens bezeichnet werden darf.
Und wie sieht es beim aktuellen Wein aus?
Antinori: Chianti Classico „Marchese Antinori“ DOCG 2004
Der Wein funkelt in einem kräftigen Rubinrot im Glas. Farblich dicht, im Zentrum fast ins Schwarze übergehend. In der Nase machen sich gleich komplexe Aromen dunkler Beeren breit, dazu Kräuter, dann wieder Pflaume, aber auch Mokka, dunkle Schokolade. Sehr wuchtig, kräftig. Vielleicht etwas viel von allem. Süße, feine Holznoten, Vanille, vielleicht ein Hauch Karamell.
Am Gaumen gibt sich der Wein als pures Kraftpaket. Dunkle Beeren, Schokolade, viel Schmelz – und leider etwas zu wenig Säurestruktur zum Ausgleich. Sind die 10% Zugabe Cabernet Sauvignon zur Sangiovese vielleicht doch nicht optimal gewählt? Teer, Toffee, süßes Holz, Kohle. Alles Aromen, die nach einem filigranen Ausgleich fordern. Doch der kommt leider nicht voll zur Geltung.
Der Wein hat sicher seine Fans. Durch seine offensichtlich zur Schau getragenen Wucht vermag er aber keinen rechten Trinkspaß zu vermitteln. Too much von allem einfach. Der Schmelz übertüncht vieles an Frucht und Struktur. Ein Winterwein, der dann mit seinem durchaus langen Abgang für die innere Wärme sorgen wird. 84 Ingo-Punkte.
CU
Dass der Jahrgang 2009 in Deutschland vinophil zu den besten seit Beginn der Weinaufzeichnungen gehört, dürfte mittlerweile keine wirkliche Neuheit mehr sein. Die Großen oder Ersten Gewächse sind noch nicht mal auf dem Markt, da überschlagen sich schon die Lobhudeleien um die Rieslinge aus der Hand deutscher Weinmacher.
Die Komplexität des Jahrgangs filigran und doch nachhaltig in die Flasche zu bringen, ist aber auch in solch dankbaren Jahrgängen der Grad, der die Spreu vom Weizen trennt. Ein Winzer, der diese Kunst hervorragend beherrscht, ist Werner Rosch vom Leiwener Weingut Josef Rosch.
Der Weinschreiber nutzte die Gelegenheit und besuchte das Weingut während eines Kurztrips nach Trier. Gott sei Dank konnte sich Werner Rosch trotz sehr kurzfristiger Anfrage etwas Zeit frei schaufeln und so stand einer Verkostung seiner Weine nichts mehr im Wege.
Genauere Aufzeichnungen fehlen dem Weinschreiber. Doch bei Roschs Rieslingen lässt sich eines quer durch die Bank festhalten: Sie sind schlichtweg genial! Angefangen beim einfachen Riesling trocken Leiwener Klostergarten bis hin zu Riesling Spätlese *** Trittenheimer Apotheke zeigten sämtliche Weine einen tollen Charakter, waren bei aller Komplexität in ihrer Art filigran, geradezu verspielt und animierten dazu, das Glas erneut zu füllen. Hier spielt eher die Violine als der Kontrabass. Erfreulich sind auch die niedrigen Alkoholgrade: Kaum ein Wein liegt über 12% vol., die Spätlese trocken *** Selection J.R. bei 12,8% vol.. Die 1. Lage Trittenheimer Apotheke „Laurentiusberg“ mit ihren 13,5% vol. bildet da fast schon eine extreme Ausnahme nach oben – und reiht sich doch in die Charakteristik der anderen Rieslinge ein.
Auch bei den fruchtigen Weinen kann Rosch voll überzeugen: Auch wenn nur der Kabinett sowie die Spätlesen verkostet werden konnten, zeigen sie doch, dass Werner Rosch es wunderbar versteht, Süße, Frucht und Säurespiel zu einem großartigen Ganzen zu vereinen. Dem Kabinett nimmt man seine 50,3 g Restsüße kaum ab. Auch die Spätlese Trittenheimer Apotheke mit ihren 87,0 g und die Spätlese Trittenheimer Apotheke *** mit 108,0 g Restzucker wirken überhaupt nicht fett, plump süß oder aufgesetzt – im Gegenteil! Hier greift die Säurestruktur wunderbar ausbalancierend ein und verleiht den Weinen ihren unverwechselbaren Stil.
Alles in allem gehören die Weine von Werner Rosch sicher zu den Gewinnern des Jahrgangs 2009! Sie bieten Trinkspaß auf höchstem Niveau und animieren trotzdem zum zweiten Glas oder – mit Freunden gemeinsam genossen noch viel schöner – vielleicht auch zur zweiten Flasche.
Chapeau!
CU
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Bodegas Valdemar:
Die Bodegas Valdemar ist ein alt eingesessener Familienbetrieb. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1889. Der heutige Besitzer, Jesus Martinez Bujanda, leitet das Weingut gemeinsam mit seinen Kindern Ana und Carlos. Und dies auch sehr erfolgreich, wie der aktuelle Wein der Woche beweist.
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