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Das Weinparlament

20. August 2010

Antinori: Klasse in Masse?

Autor: | Zeit: 19:41 Uhr | Rubrik: Wein

Wer italienische Weine liebt, wird geradezu auf diesen Namen gestoßen: Antinori. Das Haus Antinori produziert ca. 20.000.000 Flaschen pro Jahr, bei über 2.200 ha Rebfläche sicher ein recht hoher Aufwand. Mit Familienbetrieb nach traditionellen Maßstäben hat das sicher nicht mehr allzu viel zu tun. Und doch kommt auch aus dem Hause Antinori viel Gutes. Solaia oder Tignanello gehören sicher zu den bekanntesten Weinen der Toskana. Generell lässt sich durchaus festhalten, dass aus dem Hause Antinori viel Gutes ins Glas kommt. Der Gambero Rosso, Italiens sicher einflussreichster Weinführer, behauptet zumindest, dass die Kellerei als die bedeutendste ganz Italiens bezeichnet werden darf.

Und wie sieht es beim aktuellen Wein aus?

Antinori: Chianti Classico „Marchese Antinori“ DOCG 2004

Der Wein funkelt in einem kräftigen Rubinrot im Glas. Farblich dicht, im Zentrum fast ins Schwarze übergehend. In der Nase machen sich gleich komplexe Aromen dunkler Beeren breit, dazu Kräuter, dann wieder Pflaume, aber auch Mokka, dunkle Schokolade. Sehr wuchtig, kräftig. Vielleicht etwas viel von allem. Süße, feine Holznoten, Vanille, vielleicht ein Hauch Karamell.

Am Gaumen gibt sich der Wein als pures Kraftpaket. Dunkle Beeren, Schokolade, viel Schmelz – und leider etwas zu wenig Säurestruktur zum Ausgleich. Sind die 10% Zugabe Cabernet Sauvignon zur Sangiovese vielleicht doch nicht optimal gewählt? Teer, Toffee, süßes Holz, Kohle. Alles Aromen, die nach einem filigranen Ausgleich fordern. Doch der kommt leider nicht voll zur Geltung.

Der Wein hat sicher seine Fans. Durch seine offensichtlich zur Schau getragenen Wucht vermag er aber keinen rechten Trinkspaß zu vermitteln. Too much von allem einfach. Der Schmelz übertüncht vieles an Frucht und Struktur. Ein Winterwein, der dann mit seinem durchaus langen Abgang für die innere Wärme sorgen wird. 84 Ingo-Punkte.

CU

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