Die Gelegenheit war günstig. Denn beide Flaschen standen zur Verkostung bereit. Zwei der angesagtesten Weinerzeuger Italiens stellten jeweils einen Wein aus dem Jahrgang 2006 zur Verkostung bereit. Angelo Gaja auf der einen Seite, Marchese Piero Antinori auf der anderen. Und nicht nur die Winzernamen hatten Klang. Auch die beiden Weine konnten sich sehen lassen.
Angelo Gaja brachte den Promis aus seinem Toskana Projekt mit, Antinori seinen Tignanello. Grund genug für den Weinschreiber, sich etwas genauer mit beiden Kontrahenten zu beschäftigen.
Angelo Gaja
Wer Italiens Weine kennt, kennt auch Angelo Gaja. Seit 1961 leitet er das 1859 gegründete Weingut in der Vorzeigeregion Piemont. Seine Barbaresco erreichen regelmäßig Höchstnoten. “Decanter” und “Winespectator” kürten ihn wiederholt zum “Man of the Year”. Er hält mit seinen Weinen den Rekord bei der Anzahl der „Tre Bicchieri“, also der höchsten Auszeichnung eines Weins im Gambero Rosso, dem Standardwerk für Weine aus Italien. Und seit einiger Zeit treibt sich Gaja nun auch in der Toskana herum. In der Maremma gründete er das Weingut Ca’Marcanda, mit dem er unter anderem den vorliegenden Wein erzeugt. Und auch hier beweist er seinen guten Geschmack und sein Gespür für die besten Lagen. Denn mit dem Promis schuf Gaja ein weiteres vinophiles Stück Glückseligkeit.
Gaja Ca’Marcanda: Promis Rosso Toscana 2006 IGT
Im Glas schimmert der Wein in einem kräftigen Rubinrot. Die Aromen reichen von feinen Röstaromen über intensive dunkelbeerige Früchte, erdige Noten, Schokolade bis hin zu einer eleganten Amarenakirschnote sowie einem ganz zarten Hauch Vanille. Feine, florale Töne sind ebenfalls zu vernehmen.
Am Gaumen zeigt sich der Wein in seiner jugendlichen Sturm- und Drangphase, kräftig, opulent, mit feinem Tanningerüst und sehr schöner Säurestruktur. Die Cuvée aus 55% Merlot, 35% Syrah und 10% Sangiovese vereint die würzige Kraft des Syrah, die vollmundige Eleganz des Merlots und die jugendliche Härte der Sangiovese schon jetzt ideal. Der Wein ist sehr komplex, hat Tiefe, präsentiert seine Herkunft wunderbar. Auch der Abgang ist gewaltig. Ein geschliffener Wein, noch jung, doch mit großem Potential. Und im Gegensatz zu Gajas piemonteser Gewächsen geradezu lächerlich günstig!
Der Weinschreiber verkostete den Promis in einem Flight mit Tignanello 2006. Hier gab es einen klaren Sieger: Den Promis von Gaja. 93+ Ingo-Punkte.
Marchese Piero Antinori
Wenn von italienischen Weinen die Rede ist, fällt gleich zu Beginn häufig auch ein Name: Tignanello. Der Wein aus dem Hause Antinori gilt als einer der Wegbereiter der sogenannten „Super Tuscans“, der Weine also, die Mitte der 70er Jahre nicht gemäß den traditionellen Regeln des Consorzio Vino Chianti Classico hergestellt wurden und nur als Vino da Tavola deklariert werden durften. Antinori verzichtete Bei der Herstellung des Tignanello nämlich auf die damals vorgeschriebene Zugabe von einer Mindestmenge Weißweinen der Rebsorten Trebbiano und Malvasia. Heute trägt er die Bezeichnung „Indicazione Geografica Tipica“ (IGT). Viele Weinliebhaber trauen der Qualität des Weins blind, so dass sich sein Erfolg bis heute halten kann. So legendär der Wein auch ist. Legenden bedürfen ab und zu auch einer Überprüfung.
Tenuta Tignanello Toskana Rosso IGT 2006
Im Glas schimmert der Wein in einem intensiven Rubinrot. In der Nase machen sich Aromen dunkler Früchte breit. Erdige Noten gesellen sich hinzu, auch Süßholz, Tabak, Cassis. Zitrus. Eine elegante Nase, nicht aufdringlich, eher aristokratisch. Feinwürzige Noten runden den Duft ab.
Am Gaumen zeigt sich der Tignanello seidig, elegant, mit Aromen roter Beeren, etwas Holz. Die Cuvée aus 85% Sangiovese, 5% Cabernet Franc sowie 10% Cabernet Sauvignon wirkt weich, elegant, sehr schmeichelnd. Auch seine Tannine sind bereits gut eingebunden, weich. Finessenreich, mit kräftiger Säure und schönem, langen Abgang.
Sicher, der Tignanello 2006 ist ein guter, ein sehr guter Wein. Aber im direkten Verglich mit dem Promis von Gaja wirkt der Wein verhalten, zu weich gespült – eben wie ein zweiter Sieger. 91+ Ingo-Punkte für den Wein, der doppelt so viel kostet, wie sein Kontrahent.
Weinschreibers Fazit? Eindeutig. Zumindest, so lange die Toskaner von Gaja sich preislich nicht seinen piemonteser Gewächsen angleichen.
CU
Die Toskana wird von vielen Weinliebhabern in den letzten Jahren argwöhnisch beäugt. Nicht ohne Grund, wurde und wird doch gerade aus dieser Region viel charakterloser Mainstream zu hohen Preisen auf den Markt geworfen. Doch auch hier gibt es sie, die Produzenten, die vor allem Wert auf höchste Qualitäten sowie eine eindeutige Handschrift der Region in ihren Weinen legen.
Eine Kellerei mit diesem Anspruch ist die Tenuta Fontodi, welche unterhalb des Dorfes Panzano liegt. Fast sämtliche Weinberge liegen im Bereich Conca d´Oro di Panzano etwa 400 ü.d.M.. Er liegt zwischen Pieve di San Leolino und Rignana und zählt zu den ganz großen Bereichen des Chianti.
Das seit 1968 im Familienbesitz befindliche Gut ist für die perfekte Verarbeitung der Trauben bestens vorbereitet. Denn hier achtet man auf die möglichst schonende Verarbeitung des Leseguts ohne übermäßige Nutzung technischer Hilfsmittel. Die Beförderungen von Trauben und Wein geschieht daher im freien Fall, also ohne die Nutzung von Pumpen. Ganz oben kommen die Trauben an, eine Etage tiefer stehen die Gärbehälter, in denen die Maische bei gelenkter Temperatur gärt. In der untersten Etage befindet sich der Barrique-Keller.
Giovanni Manetti, Leiter des Weinguts, hat damit beste Voraussetzungen geschaffen, die die Qualität der Weine erklärt. Doch nicht nur im Weinkeller, sondern bereits im Weinberg wird konsequent auf Qualität geachtet. So findet eine Ertragsreduktion statt, die für die optimale Konzentration der Nährstoffe in nur wenigen Trauben der besten Lagen sorgt. Auf 67 Hektar Rebfläche, wovon 53 dem Chianti Classico vorbehalten sind, entstehen so Weine mit hoher Dichte, angefangen beim einfachen Chianti Classico bis hin zum Flaggschiff des Hauses, dem Flaccianello della Pieve.
Nur so ist die grosse Dichte erklärbar, die selbst der Chianti Classico zeigt, der übrigens wie seine größeren Brüder in Barriques erzogen wird.
Grund genug für den Weinschreiber, sich ausführlicher mit den Weinen der Tenuta Fontodi zu beschäftigen:
Chianti Classico DOCG 2006
Dunkles, undurchsichtiges Rot. In der Nase Aromen von Kirsche, Veilchen, ein Hauch dunkler Schokolade. Feinwürzige Noten, Süßholz. Am Gaumen macht sich der reinsortige Sangiovese deutlich bemerkbar. Schöne, animierende Säurestruktur, saftig, von der Kirschfrucht getragen, trinkig. Im Abgang wieder fruchtig animierend. Ein Wein mit schönem Biss. 88 Ingo-Punkte
Chianti Classico Riserva Vigna del Sorbo DOCG 2006
2006 gehört in der Toskana sicher zu den besseren Jahrgängen. Der Vigna del Sorbo unterstreicht Weinschreibers Meinung absolut. Er hat alles, was man von einem Chianti der Spitzenklasse erwartet: Aromen süßer roter und dunkler Beeren, Lakritz, Dörrobst, ein Hauch Minze. Feinkräutrige Noten ergänzen das komplexe Aromenspektrum. Sehr dicht, kraftvoll, intensiv und doch elegant, vielschichtig.
Auch am Gaumen kann der Wein voll überzeugen: Sehr komplex, kraftvoll und doch mit der wunderbaren Frische ausgestattet, die den Wein animierend trinkig macht. Sehr schöne, mürbe Tanninstruktur, ein guter Biss und sehr schöne Typizität. Auch im beerig-intensiven Abgang überzeugt der Vigna del Sorbo durch hervorragende Länge. 94+ Ingo-Punkte für die Cuvée aus 80% Sangiovese und 20% Cabernet Sauvignon.
Case Via - Syrah IGT 2006
Die Syrah gehört sicher nicht zu den typischsten toskanischen Rebsorten. Nichts desto trotz keltert die Tenuta Fontodi auch aus dieser Sorte einen hervorragenden Wein mit tollem Sortencharakter. Sehr würzig, pfeffrig in der Nase, aber auch Aromen dunkler Beeren, erdig, Teer, ein Hauch Schokolade.
Am Gaumen mit den typischen würzigen Aromen der Syrah. Feine Tannine, kraftvoll, komplex. Ein Wein mit enormer Urwüchsigkeit, der trotzdem nicht vordergründig wirkt, wie viele Übersee Shiraz es gerne vorspielen. Auch im Abgang würzig beerig mit hervorragender Länge. 93 Ingo-Punkte
Flaccianello della Pieve 2003
Weinschreibers erster Flaccianello, dem noch viele folgen werden. Auch das schwierige Jahr 2003, welches sich vor allem durch übermäßige Hitze auszeichnete, konnte der Qualität des Flaccianello nichts antun.
In der Nase Aromen getrockneter dunkler Beeren, Schokolade, Dörrobst. Das Wetter hat schon seinen Stempel hinterlassen. Etwas dichter, süßer, opulenter als seine anderen Jahrgänge. Aber trotzdem noch ein herausfordernder, jedoch nicht fetter Wein, der mit komplexer Frucht, feinen, seidigen Tanninen und einer für das Jahr erstaunlich guten Säurestruktur aufwarten kann. Der Abgang ist süßbeerig, opulent und lang. 93 Ingo-Punkte
Flaccianello della Pieve 2004
(Aus einer früheren VKN des Weinschreibers vom 5. Oktober 2008) Wieder einmal das Rotweinerlebnis im Glas. Wo gibt es so viel Wein für so einen fairen Preis?
Extrem konzentrierte Nase, Johannisbeere, Pflaume, Graphit, Süßholz, Schokolade. Auch Veilchen. Fabelhafte Konzentration, wunderbar integriertes Barrique.
Am Gaumen setzt sich das Aromenspektakel fort: Dunkle Beeren, tolle würzige Frucht, Asche, schwarze Johannisbeeren, tolle Säure, wunderbar mürbe Tanninstruktur. Dicht, komplex, gewaltig. Unendlich lang. Und jung. 96+ Ingo-Punkte.
Flaccianello della Pieve 2005
Ein in der Toskana eher klassisches Jahr, was man auch beim Flaccianello merkt. Bei aller Qualität hinkt der 2005er doch etwas hinter den anderen Jahrgängen zurück. Doch auch hier gilt: Kritik auf Spitzenniveau!
In der Nase Aromen roter Beeren, Veilchen, fruchtig dominierte Noten. Ein feiner süßer Hauch gesellt sich hinzu. Blaubeere. Im Vergleich zu seinen Brüdern eher schlank, klassisch, Sangiovese halt.
Auch am Gaumen dominiert die Frucht, beerig, saftig, animierend. Und doch wieder diese Fülle, Kraft und Komplexität. Feine Tannine, saftige, straffe Struktur, fruchtig, mit kräftiger, jedoch nicht unangenehmer Säurestruktur. Im Abgang durch sehr gute Länge gekennzeichnet. 92+ Ingo-Punkte.
Flaccianello della Pieve 2006
Ein schlafender Riese: Der 2006er wird ein Langläufer und sicher noch die nächsten 15 bis 20 Jahre – optimale Lagerung vorausgesetzt – viel Freude bereiten! Sicher gehört er zu den besten Flaccianello, die bisher die Lager der Tenuta Fontodi verlassen haben.
Alleine die Nase lässt großes vermuten. Unendlicher Reichtum an Aromen dunkler Beeren, Brombeere, Blaubeere, Sauerkirsche. Aber auch Kaffee, Rosinen, Vanille. Der Holzton ist noch recht deutlich vernehmbar, wird sich aber perfekt in den Wein integrieren.
Auch am Gaumen macht der Wein schon heute Spaß. In seiner primärfruchtigen Phase, komplex ohne Ende, kraftvoll, vielschichtig. Dunkle Beeren, süßer Saft, mürbe, hervorragende Tanninstruktur. Dabei aber auch der Sangiovese typische Biss. Tolle vereinnahmende Beeren. Ein genialer Wein mit einem schier unendlichen Finale. Glücklich kann sich schätzen, wer von diesem Wein einige Flaschen im Keller hat. Der Weinschreiber ist glücklich… 97 Ingo-Punkte
Egal, in welcher Qualitätsstufe man die Weine von Fontodi genießen möchte: Für seine Investition erhält der Weinliebhaber hervorragende Gegenwerte! Doch Psssst!!! Nicht weiter erzählen! Sonst ist’s bald aus mit den Schnäppchen aus dem Hause Fontodi
CU

Was war das für eine Enttäuschung! Mouton ohne Ende. Leider nicht mengenmäßig, sondern vom Abgang her. Da musste dann doch noch etwas Vernünftiges ins Glas. Zumindest ließ der Wein eine gewisse Erwartungshaltung zu. Denn Weinschreibers bisherige Erfahrungen mit dem Château waren mehrheitlich äußerst positiv. Und auch der Jahrgang 1998 sollte da keine Ausnahme bilden.
Château Pichon Longueville Baron 1998, Pauillac, 2ème Cru
Das Château liegt in der Weinbauregion Bordeaux und hier in der Appellation Pauillac, also der gleichen, aus der auch der Mouton Rothschild kam. Seinen Zusatz Baron erhielt es seinerzeit, um sich von seinem Nachbarn Pichon Comtesse de Lalande besser unterscheiden zu können. Bei der Klassifizierung von 1855 wurde Pichon Baron als Deuxième Grand Cru Classé eingestuft. Seine Weinberge grenzen zu einem großen Teil am Weinberg von Château Latour. Jacques de Pichon, Baron von Longueville, baute das Weingut im 18. Jahrhundert auf. Das beeindruckende Gemäuer verdankt das Château Raoul von Pichon Longueville. 1988 aufwändig restauriert, wurde nach einer gewissen qualitativen Dürreperiode auch wieder intensiv in die Weinerzeugung investiert. Eine der sicher besseren Investitionen war hierbei das Engagement von Jean-Michel Cazes vom Château Lynch Bages. Dieser führte Pichon Baron in den 90er Jahren an die erweiterte Spitze der Bordelaiser Weinerzeuger und produzierte wieder typische Vertreter der Appellation Pauillac. So auch den 1998er Jahrgang, den der Weinschreiber in sehr guter Erinnerung behält:
Sehr dicht in der Farbe. In der Nase macht sich gleich eine geradezu explodierende Frucht breit: Cassis, reife dunkle Beeren, feine Noten von Zigarrenkiste, Kaffe, Schokolade. Sehr schön gereift, intensiv, aristokratisch. Ein wunderbares Aromenspiel, reich, komplex und doch sehr charmant. Eine Nase zum Verlieben.
Am Gaumen mit sehr schön reifer Frucht, feiner süßbeerigen Aromatik, wunderbar integrierten Tanninen und einer eleganten Säurestruktur. Sehr komplex, vielschichhtig, nachhaltig, dabei gleichzeitig fast weich. Der Abgang wird von einer elegant reifen Frucht dominiert, ist lang, rund und intensiv. Ein tolles Weinerlebnis. 93 Ingo-Punkte.
CU
Ein Mouton ist immer ein besonderes Erlebnis. So ist der allgemeine Tenor, wenn es bei vinophil geprägten Unterhaltungen um einen der berühmtesten Weine aus der französischen Weinbauregion Bordeaux geht. Das besondere Erlebnis fängt schon beim Kauf des Weins an. Für einen Mouton muss man – auch aus schlechteren Jahrgängen – bereit sein, signifikant tiefer in die Tasche zu greifen, als bei Weinen aus der zweiten bordelaiser Reihe. Der Wein aus der Appellation Pauillac ist der einzige, der je einen Aufstieg in der berühmten 1855er Klassifikation schaffte, die anlässlich der damals in Paris stattfindenden Weltausstellung erstellt wurde. 1973 stieg das Weingut vom Deuxième zum Premier Cru auf. Genug Grund also zur Annahme, dass auch der Jahrgang 1993 mehr zu bieten hat, als eine sagenumwobene Geschichte um das Künstleretikett des Weins.
Der Wein präsentiert sich nach einiger Zeit in der Karaffe mit typischen Aromen gereifter Bordeaux: Cassis, Zeder, Weihrauch, Gewürze. Kaffee ist auch dabei. Sehr angenehm, nicht zu vordergründig, schon mit Charakter. Die Vorfreude auf den Wein steigt bei den Aromen enorm.
Am Gaumen machen sich wieder Aromen von Cassis, getrockneten Früchten, etwas Kaffee und vielleicht einem Hauch Süßholz breit. Die Säurestruktur ist deutlich, die Tannine sind bereits voll mit der Frucht verschmolzen. Ein eher leichtgewichtiger Wein, durchaus elegant. Im Abgang zeichnet sich der Mouton aus durch… Nichts. Der Wein fällt im kurzen Abgang völlig auseinander, zeigt keinerlei Anzeichen eines großen Weins. Wo die mittlere Länge herkommen soll, die man in den vielen Verkostungsnotizen webweit liest, bleibt dem Weinschreiber schleierhaft. Schade, denn der Wein präsentierte sich in der Nase sehr vielversprechend.
Mit Wohlwollen noch 87 Ingo-Punkte, die der Wein einzig und alleine seinem gelungenen Auftakt zu verdanken hat. Wer jetzt noch vom 93er Mouton Flaschen im Keller hat, sollte die demnächst öffnen. Besser wird der Wein sicher nicht mehr.
Wie gut, dass der Abend noch mit einem 1998er Pichon Baron gerettet wurde. Doch dazu mehr im nächsten Posting.
CU
Und wieder geht es beim Weinschreiber um einen Italiener. Und wieder handelt es sich bei dem vorliegenden Wein um einen richtig gut gelungenen Vertreter seiner Region. Auch wenn sich das ursprünglich in (fast) der gesamten Weinwelt als Jahrhundertjahrgang eingestufte Jahr 2003 zwischenzeitlich als wesentlich schwieriger erweist. Das Hitzejahr ist auch an den Weinen in Montalcino nicht spurlos vorüber gegangen. Überreife Frucht, deutlich spürbarer, austrocknender Alkohol und raue Tannine sind oft die Folge der extremen Witterungsbedingungen. Winzer, die ihr Handwerk verstehen, konnten allerdings hervorragende Weine produzieren. Ergebnis sind Kreszenzen mit opulenter Frucht, süßen Tanninen und viel Schmelz. Auch der hier vorgestellte Wein zeigt, dass der Winzer das Weinmachen versteht.
Brunello di Montalcino DOCG 2003
Capanna di Cencioni, Montalcino (Toskana)
Patrizio Cencioni, verantwortlich für die Weine von Capanna, baut seine Rotweine in klassischen großen Holzfässern aus slowenischer Eiche aus. Daraus entstand mit dem Jahrgang 2003 ein charaktervoller, authentischer Sangiovese Grosso, der sich in der Nase klassisch herb, mit Aromen von Pflaume, Heidelbeere, Kakao sowie floralen Nuancen präsentiert. Fast marmeladige Süße. Dann auch feinwürzig, jedoch mit deutlicher Handschrift des Hitzejahres, opulent, konzentriert, nicht aber fett. Die 14,5% vol. Alkohol sind natürlich deutlich spürbar, wirken jedoch nicht aufdringlich.
Am Gaumen dann wuchtig, konzentriert, mit perfekt integrierter Säurestruktur und feinen Gerbstoffen. Auch in Finale versteht der Brunello durch opulent fruchtige Länge voll zu überzeugen.
Bei diesem Sangiovese handelt es sich um einen Wein, der erstaunlich langlebig wirkt und sicher noch lange Zeit Freude bereiten wird. Gut gemacht, mit feiner Hand vinifiziert, bereitet der Capanna viel Trinkfreude bei Freunden italienischer Rotweine. 90 Ingo-Punkte.
CU
Wenn ein australischer Winzer in den letzten Jahren für Furore gesorgt hat, dann dürfte wohl kein Zweifel darüber herrschen, dass es sich hierbei um Ben Glaetzer handelt. Noch keine 30 Jahre alt wird er allenthalben als „Shooting Star“ der Szene gehandelt. Sein Aushängeschild ist der Shiraz Amon Ra, benannt nach dem König aller Götter in der ägyptischen Mythologie, in dessen Tempel der kommerzielle Weinbau seinen Ursprung haben soll. Der dort angebaute Wein sollte die Besucher des Tempels glücklich machen. Und mit seinen Weinen versucht Glaetzer einige tausend Jahre später im Grundsatz das Gleiche. Grund genug also für den Weinschreiber, den König der Glaetzer’schen Weinmanufaktur einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Glaetzer Amon Ra Shiraz 2006
Der Wein ist der Beweis dafür, dass es die Weinfarbe Pechschwarz tatsächlich gibt. Da geht nichts durch, kein Tageslicht, keine Lampe, möglicherweise schafft es ja ein Röntgenapparat. Die Schlieren am Glasrand lassen die Opulenz schon früh erkennen. Und die Nase bestätigt, was das Auge erahnen ließ: Opulenz satt! Aromen schwarzer Beeren, süßer Kirschen, Gewürzen, Tabak, Süßholz. Blind als Shiraz zu erkennen. Pflaume, Vanille und Graphit gesellen sich hinzu. Gekochte Beeren. Nach einem Tag (!) in der Karaffe immer noch eine Wuchtbrumme. Dass 14,5% vol. zu solcher Intensität fähig sind, geht nur in Übersee.
Am Gaumen mit intensiver Beerigkeit, einer Shiraz typischen Würzigkeit, pfeffrig, schmelzig, wuchtig. Die Tannine sind noch deutlich vorhanden, eine noch jugendlich ungestüme Säurestruktur verhindert, dass der Wein ein Fall für das Frühstückbrötchen wird. Enorm, was sich da im Mund abspielt.
Auch der Abgang ist lang, beerig, intensiv. Ein Kraftpaket, welches in den nächsten Jahren getrost im Weinkeller vergessen werden darf. Es sei denn, man weiß schon eine Woche vorher, dass der Wein auf den Tisch soll. Denn diese Zeit wird der Amon Ra sicher fordern, um schon heute ein gewisses Trinkvergnügen zu bereiten. Ansonsten lautet die Devise: Aus der Flasche nicht vor 2015. Und trinken können wird man diesen Wein sicher noch die nächsten 15 Jahre. Die 97-100/100 von Parker sind wohl auf die Vorliebe des Weinpapstes auf fette Wuchtbrummen zurückzuführen. Der Weinschreiber gibt 93+ Ingo-Punkte.
CU
Dass der Weinschreiber eine Vorliebe für italienische Weine hat, dürfte dem einen oder anderen interessierten Leser bereits aufgefallen sein. Und da kommt es nicht überraschend, dass auch der aktuelle Wein aus Italien stammt. Dieses Mal jedoch nicht aus dem Piemont oder der Toskana, sondern aus der Region Trentino, also aus den Norden des Landes. Denn auch hier gedeihen wirklich bemerkenswerte Weine – wie der aktuelle Tropfen beweist.
Elisabetta Foradori darf man mittlerweile sicher getrost als eine der absoluten italienischen Star-Winzerinnen betrachten. Die nach bio-dynamischen Richtlinien arbeitende Winzerin hat sich vor allem auf die Wiederbelebung der einheimischen Teroldego konzentriert. Diese Sorte ist mengenmäßig eher eine Randerscheinung. Qualitativ jedoch kann sie Spitzenweine eigenständiger Herkunft erbringen. So auch bei diesem Wein, zu dessen Namen eingedeutscht das Sprichwort „Nomen est Omen“ passen könnte
Elisabetta Foradori: Granato 2004
Eingefleischten Weinliebhabern mit dem Hang zu italienischen Kreszenzen ist dieser Wein schon lange ein Begriff. Regelmäßig sorgt der im kleinen Eichenfass ausgebaute Spitzenwein Foradoris für Furore. Und gerade der Jahrgang 2004 weiß hier besonders hervor zu stechen:
In dichtem Purpurrot, fast schwarz schimmert der Wein im Glas. In der Nase macht sich ein unglaublich komplexes Bouquet breit. Blaubeere, Kirsche, rote Beeren, getrocknete Kräuter, feine Vanillenote, Röstaromen, Teer, Graphit. Sehr konzentriert, sehr komplex.
Am Gaumen dann wieder sehr konzentriert, saftig, mit feiner Mineralik, bereits wunderbar eingebundenen Tanninen. Wieder die Kombination aus schwarzen und roten Beeren, feine Würze, fast orientalisch anmutend, sehr schönem Schmelz, mit enormer Länge.
Ohne Übertreibung darf der Granato zu den absoluten Spitzenweinen Italiens gezählt werden. Wer den Wein im Keller liegen hat, kann sich glücklich schätzen, wer nicht, sollte Freundschaft mit denen schließen, die zur erstgenannten Gruppe zählen. Denn verpassen sollte man diesen Tropfen nicht. 94+ Ingo-Punkte.
CU
Nittardi ist den Lesern des Weinschreibers bis dato nur durch den göttlichen Trunk „Nectar Dei” ein Begriff. Der 2005er Jahrgang dieses gelungenen Paradeweins zeigte deutlich auf, dass die Fattoria Nittardi den Umgang mit den Reben hervorragend beherrscht. Und auch mit dem folgenden Wein zeigt Stefania Canali, dass sie das Winzerhandwerk bestens versteht.
Chianti Classico Casanuova di Nittardi 2007
„Casanuova di Nittardi, die Annata der Fattoria, wächst in 450 m Höhe im goldenen Dreieck zwischen Panzano, San Donato und Castellina in Chianti. Neben dem klassischen Etikett gibt es Casanuova di Nittardi seit 26 Jahren in limitierter Auflage mit Künstleretikett und Einschlagpapier aus Seide. Das 27. Etikett gestaltete der Zeichner Tomi Ungerer.“ (Quelle: www.nittardi.com)
Purpurrot funkelt der Wein im Glas. In der Nase macht sich der noch jugendliche Charakter des Weins bemerkbar. Doch auch in der sehr frühen Phase präsentiert sich der Classico erstaunlich ausgewogen, elegant. Aromen von reifer Kirsche und Brombeeren werden begleitet durch zart rauchige Noten, frisch geschnittenen Zweigen, frischen Gewürzen, Kamille, jedoch auch Graphit. Leicht floral wirkend, von schöner Typizität.
Am Gaumen präsentiert sich der Casanuova di Nittardi charmant, rund und ausgewogen. Der Wein besitzt ein sehr schönes Säuregerüst. Tolle, animierende Frucht, Sauerkirsche, dann auch süßbeerig, reif, auch roter Tee, mit hervorragend integrierten, weichen Tanninen. Erstaunlich gut anzutrinken! Die Zugabe von 5% Canaiolo machen ihn geschmeidiger und eleganter. Der sechsmonatige Ausbau in französischen Barriques unterstützt die Struktur des Weins, ohne dabei aufdringlich zu wirken.
Auch im Abgang kann der Nittardi voll überzeugen: Von der frischen Fruchtigkeit getragen, durch die sehr gute Säurestruktur gestützt, animiert der Wein geradezu zum Öffnen der nächsten Flasche.
Alles in allem versteht es der Casanuova di Nittardi mit seinem Zusammenspiel aus Frucht, Säure und Gerbstoff die Vorzüge der Sangiovese aufzuzeigen. Ein toller Vertreter der Chianti Classico, „Maul füllend“, animierend, mit toller Länge. 91+ Ingo-Punkte.
CU
Tja, auch bei der Wahl zum 17. Deutschen Bundestag gab es 29,2 Prozent Nichtwähler. Eine peinliche Posse, die durch nichts, aber auch rein gar nichts zu erklären ist. Eine Viertelstunde Aufwand in vier Jahren ist sicher nicht zu viel verlangt.
CU
P.S. Bald wird es wieder auch Beiträge zur wunderbaren Welt der Weine geben. Aber momentan überwiegt der Frust, der durch die überheblich-naive Arroganz der Nichtwähler hervorgerufen wird.
Irgendwie erscheint dem Weinschreiber in letzter Zeit häufiger ein Wein des mittlerweile doch bekannten Weinguts in der toskanischen Maremma. Grund genug, um sich mit dessen Weinen auseinander zu setzen. Diese bestehen aus bis zu sieben (!) verschiedenen Rebsorten. Ein mutiger Wein also, die Vision verkörpernd, „…einem Wein wie Seide – fließend und elegant…“ (Quelle: http://www.ampeleia.it) zu erzeugen.
Ob das gelungen ist?
Maremma Rosso “Kepos” IGT 2007
(Grenache, Carignano, Mourvedre, Alicante, Marsellane)
Der kleine Bruder des Ampeleia präsentiert sich als früh trinkreifer Wein mediterraner Art. Primärfruchtig, etwas dropsig, dann vielschichtige Aromen von Gewürzen und dunklen Früchten. Blaubeere, Sauerkirsche. Ein Hauch floral wirkend.
Am Gaumen sehr saftig, mit guter Tanninstruktur und typisch kräftigem Säuregerüst. Ein schöner, zugänglicher Wein mit angenehmem Finale. 88 Ingo-Punkte.
Maremma Rosso “Ampeleia” IGT 2005
(50% Cabernet Franc, 20% Sangiovese, der Rest Grenache, Carignano, Mourvedre, Alicante sowie Marsellane)
Das Flagschiff des Hauses. Mit sieben Rebsorten kann der Wein aufwarten. Und daraus hat die kleine Winzertruppe einen interessanten Tropfen gewonnen.
In der Nase mit kräftigen Aromen nach Amarenakirsche, einem Hauch Kakao, dann Graphit und dunkle Beeren. Würzige Aromen fließen mit ein. Ein intensives Frucht-Kräuter-Spiel.
Am Gaumen dann mit komplexer Frucht, kräftiger Tanninstruktur und typisch italienischem, elegantem Biss. Ein zupackender Wein mit komplexer Statur und opulenter Fruchtigkeit. 90 Ingo-Punkte.
Die Weine von Ampeleia sind sehr interessant. Das Projekt der „Vieltrauben-Cuvetierung“ deutet klar auf die internationale Ausrichtung der Weine hin, auch wenn das hauseigene Verständnis das Hervorheben des lokalen Terroirs ist. Ob dies mit dieser Strategie erreicht wird, bleibt mal dahin gestellt. Der Weinschreiber indes kennt Alternativen aus der Maremma, die ursprünglicher wirken. Doch über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und so wird auch der Ampeleia – sicher zu Recht – seine Fangemeinde haben.
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Bodegas Valdemar:
Die Bodegas Valdemar ist ein alt eingesessener Familienbetrieb. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1889. Der heutige Besitzer, Jesus Martinez Bujanda, leitet das Weingut gemeinsam mit seinen Kindern Ana und Carlos. Und dies auch sehr erfolgreich, wie der aktuelle Wein der Woche beweist.
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